Am Sonntag, 22. März 2026, läuft im Ersten der neue Frankfurter Tatort „Fackel“. Annie Schilling, geborene Mosebach, produziert ihn. Das Drehbuch hat ihr Mann geschrieben. Und seit dem 22. Januar steht ihre Tatort-Produktion „Dunkelheit“ auf der Grimme-Preis-Shortlist 2026. Trotzdem kennen die meisten Menschen ihren Namen nicht.
Annie Mosebach hat Produktionen verantwortet, die Millionen Menschen gesehen haben. Ins Rampenlicht hat sie sich dabei nie gestellt.
Inhaltsverzeichnis
Annie Mosebach und Annie Schilling: Dieselbe Person, zwei Namen
Unter dem Geburtsnamen Annie Mosebach baute sie ihre gesamte frühe Karriere auf. Seit ihrer Hochzeit mit Schauspieler Tom Schilling Anfang 2019 ist sie beruflich als Annie Schilling bekannt. Im Internet laufen beide Namen parallel, weshalb Suchen nach Annie Mosebach und Annie Schilling auf dieselbe Person führen.
Sie lebt mit ihrer Familie im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg und ist fest im Team von Sommerhaus Filmproduktion GmbH, einer der profiliertesten unabhängigen Produktionsfirmen Deutschlands mit Büros in Berlin, Ludwigsburg und München. Das Unternehmen wurde 2015 von Jochen Laube und Fabian Maubach gegründet und hat seitdem Filme beim Berlinale-Wettbewerb, dem Locarno Film Festival und dem Zurich Film Festival platziert.
Vom Kostümdepartment zur Produzentin
Annie Mosebach startete nicht als Produzentin. Ihr erster dokumentierter Credit stammt aus dem Jahr 2008 als Regieassistentin und Produktionskoordinatorin. Es folgten mehrere Jahre in Kostüm- und Produktionsabteilungen.
Zwei Arbeiten aus dieser frühen Phase sind bis heute relevant:
- „Der Medicus“ (2013): Kostümkoordination bei einer der aufwendigsten deutschen Kinofilmproduktionen des Jahrzehnts, Regie Philipp Stölzl, IMDb 7,2
- „Unsere Mütter, unsere Väter“ (2013, ZDF): Kostümkoordination beim meistdiskutierten deutschen Fernsehereignis jener Saison, IMDb 8,4
2017 übernahm sie als koordinierende Produzentin bei „Kundschafter des Friedens“, einer Spionagekomödie mit Tom Schilling in der Hauptrolle. 2019 folgte „TKKG“ in derselben Funktion. Ab 2021 produzierte sie selbst.
The Billion Dollar Code: Netflix, Berlin und der Prozess gegen Google
Ihr erster vollwertiger Producerkredit bei einer großen Netflix-Produktion: „The Billion Dollar Code“ (Oktober 2021), vier Episoden, IMDb 7,9 von 10 Punkten.
Die Serie basiert auf einem realen Rechtsstreit. Die Berliner Firma ART+COM entwickelte Mitte der 1990er Jahre TerraVision, einen digitalen Globus, mit dem Nutzer jeden Punkt der Erde ansteuern konnten. 2014 klagte das Unternehmen gegen Google mit der Behauptung, Google Earth basiere auf dieser Technologie. Der Prozess lief bis 2017. ART+COM verlor in beiden Instanzen. Die Serie erzählt diese Geschichte aus der Perspektive der Verlierer.
Produziert wurde sie von der Kundschafter Filmproduktion von Oliver Ziegenbalg, gemeinsam mit Sunny Side Up Films und Proton Cinema, im Auftrag von Netflix. Die Weltpremiere fand beim Zurich Film Festival 2021 statt. Diese Produktion entstand unabhängig von Sommerhaus, was zeigt, dass Annie Schilling als Produzentin über das eigene Haus hinaus gefragt war.
Die Kaiserin: Meistgesehene Netflix-Serie der Welt
Seit September 2022 produziert Annie Schilling „Die Kaiserin“ für Netflix und Sommerhaus Serien GmbH, eine historische Dramaserie über die jungen Jahre der Kaiserin Elisabeth von Österreich, gespielt von Devrim Lingnau. Showrunnerin und Headautorin ist Katharina Eyssen, Executive Producers sind Jochen Laube und Fabian Maubach. Annie Schilling verantwortet die Produktion als Produzentin aller Episoden beider bisherigen Staffeln.
Die Zahlen beim Start 2022:
- Zwei Wochen lang meistgesehene Netflix-Serie weltweit über alle Sprachen hinweg
- Siebte meistgesehene nicht-englischsprachige Serie auf Netflix im Gesamtjahr 2022
- Über 150 Millionen gestreamte Stunden in den ersten Wochen
Staffel 2 lief ab November 2024. Die dritte und letzte Staffel wurde im Januar 2025 bestätigt, wird derzeit in Prag produziert und soll 2026 erscheinen. Das Goethe-Institut, das „Die Kaiserin“ in seinem internationalen Magazin ausführlich analysierte, nennt Annie Schilling ausdrücklich als Producerin beider veröffentlichter Staffeln.
Das Sommerhaus-Netflix-Team um Katharina Eyssen hat bereits das nächste Projekt angekündigt: „Witches“ (Arbeitstitel), eine Historienserie über die deutschen Hexenverfolgungen des 17. Jahrhunderts. Deadline berichtete darüber im Februar 2026.
Tatort Frankfurt: Grimme-Preis, 8,83 Millionen und ein ungewöhnliches Autorengespann
Seit 2025 ist Annie Schilling als ausführende Produzentin auch im linearen deutschen Fernsehen tätig, bei den drei neuen Frankfurter Tatort-Folgen für ARD Degeto und den Hessischen Rundfunk.
Sommerhaus setzte sich in einer Ausschreibung gegen rund 15 Produktionsfirmen durch, darunter drei aus Hessen. Was den Ausschlag gab: das Konzept, das neue Frankfurter Ermittlerteam ausschließlich auf Cold Cases aufzubauen, eine Idee, die es im Tatort bis dahin so nicht gegeben hatte.
In der gemeinsamen Produzenten-Note von Jochen Laube, Fabian Maubach und Annie Schilling schrieben die drei über die hr-Redaktion: „Dass die hr-Spielfilmredaktion seit Jahren mit zu den besten und innovativsten gehört, ist der ganzen Branche längst klar. Mit ihnen einen neuen Tatort aufzusetzen, ist also ein Geschenk.“
Die drei Folgen:
Tatort: Dunkelheit | 5. Oktober 2025 Das neue Frankfurter Ermittlerteam um Maryam Azadi (Melika Foroutan) und Hamza Kulina (Edin Hasanovic) zog 8,83 Millionen lineare Zuschauer und landete damit auf Platz vier der meistgesehenen Tatort-Folgen im Sendejahr 2025. Am 22. Januar 2026 gab das Grimme-Institut die Nominierung für den 62. Grimme-Preis 2026 bekannt, Kategorie Fiktion, ausgewählt aus über 750 eingereichten Produktionen. Die Preisverleihung findet am 24. April 2026 in Marl statt.
Tatort: Licht | 30. November 2025 Cold Case um ein seit Jahren verschwundenes Mädchen und seinen Vater. Drehbuch: Senad Halilbasic. Regie: Rick Ostermann.
Tatort: Fackel | 22. März 2026, Das Erste, 20:15 Uhr Ein Hochhausbrand mit 13 Toten, eine Untersuchungskommission, die ergebnislos zu verlaufen droht, und ein Kommissar, der über seine Ex-Freundin in den Fall hineingezogen wird. Regie: Rick Ostermann. Das Drehbuch schrieben Sebastian Heeg und Tom Schilling, Annies Ehemann, der damit sein Debüt als Tatort-Autor gibt. Gedreht wurde von März bis Mai 2025 in Frankfurt, Heusenstamm, Offenbach, Oberursel, Wiesbaden und Eschborn.
Annie Schilling koordinierte die Crew-Besetzung aus der Rhein-Main-Region für alle drei Produktionen persönlich. Gegenüber dem Filmhaus Frankfurt bezeichnete sie die Drehs in der Stadt als „Super-Dreherfahrung“ und beschrieb, wie ungewöhnlich offen die Frankfurter Bevölkerung dem Filmteam begegnet sei.
Familie: Berlin, zwei Kinder, kein öffentliches Leben
Annie Mosebach und Tom Schilling lernten sich über die gemeinsame Arbeit in der Filmbranche kennen. Im Frühjahr 2014 kam ihr gemeinsamer Sohn zur Welt, im Januar 2017 ihre Tochter. Tom Schilling hat aus einer früheren Beziehung noch einen weiteren Sohn, Oskar, geboren 2006. Zusammen haben Annie und Tom zwei Kinder.
Die Hochzeit Anfang 2019 fand in kleinem Kreis statt. Tom Schilling postete ein einzelnes Foto auf Instagram mit dem Zusatz „Just Married“, ohne weitere Details. In einem Interview mit t-online sprach er davon, dass er und Annie die Kinderbetreuung je nach Drehplan untereinander aufteilen.
Am 22. März 2026 läuft „Fackel“ im Ersten. Im April wird der Grimme-Preis vergeben. Staffel 3 von „Die Kaiserin“ kommt noch 2026. Und mit „Witches“ wartet das nächste Netflix-Projekt. Wer Annie Mosebach als Produzentin sucht, findet sie genau dort, wo die deutschen Produktionen gerade stattfinden.

