Burgi Nagelsmann: Wer ist die Mutter des Bundestrainers?

Sie sitzt auf der Tribüne, gibt keine Interviews und hat nie ein öffentliches Statement abgegeben. Trotzdem ist Burgi Nagelsmann die Person, die Julian Nagelsmann, den Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft, mehr geprägt hat als jeder Taktikboard oder Fußballverein.

Und noch etwas: „Burgi“ ist nicht einmal ihr offizieller Vorname. Wie die Abendzeitung München festhält, handelt es sich um einen Spitznamen, mit dem die Mutter des Bundestrainers von allen genannt wird. Ihr bürgerlicher Name ist bis heute nicht öffentlich bekannt.



Eine Familie aus dem bayerischen Issing

Burgi Nagelsmann wuchs in Bayern auf und lebte mit ihrem Mann Erwin Nagelsmann in Issing, einem kleinen Dorf bei Landsberg am Lech, rund 60 Kilometer westlich von München. Die Familie führte ein bodenständiges, bürgerliches Leben, weit abseits jeder Öffentlichkeit.

Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor:

  • André Nagelsmann, der älteste Sohn
  • Vanessa Furkert, die älteste Tochter
  • Julian Nagelsmann, geboren am 23. Juli 1987, das jüngste Kind

Julian beschrieb seine Kindheit in Interviews mehrfach als normal und familiär geprägt. Die Lage zwischen Landsberg und München gab ihm und seinem Bruder André die Möglichkeit, früh im höheren Fußballbereich zu spielen. Burgi Nagelsmanns Geburtsjahr ist öffentlich nicht bekannt.


Das Geheimnis, das Erwin Nagelsmann trug

Was von außen wie ein gewöhnliches Familienleben wirkte, hatte einen verborgenen Kern. Erwin Nagelsmann arbeitete für den Bundesnachrichtendienst, den deutschen Auslandsgeheimdienst BND. Das enthüllte Julian im Februar 2024 erstmals öffentlich in einem Interview mit dem Spiegel.

Von der geheimdienstlichen Tätigkeit seines Vaters erfuhr Julian erst mit 15 oder 16 Jahren, auf gemeinsamen Autofahrten zum Training. Selbst der Großvater wusste nichts davon und glaubte bis zuletzt, sein Sohn sei Berufssoldat. Was Erwin beim BND genau machte, ist bis heute nicht bekannt.

Julian zitierte damals seinen Vater im Spiegel so:

„Er durfte über seinen Job nicht sprechen. Das war auch der Grund, warum er oft gesagt hat, ihm sei das alles zu viel. Das Teilen von Sorgen fand in seinem Beruf nicht statt. Ihn hat das dann am Ende sehr stark belastet.“

Erwin hatte dem Sohn sogar aus väterlicher Sorge vom Trainerberuf abgeraten. Er hätte lieber gesehen, dass Julian sein Wirtschaftsstudium abschließt.


Der 24. November 2008

An diesem Tag nahm sich Erwin Nagelsmann das Leben. Er wurde 56 Jahre alt.

Julian befand sich zu diesem Zeitpunkt auf einem Trainerlehrgang in Oberhaching bei München, wo er seine C-Lizenz machte. Der Lehrgangsleiter bat ihn, kurz nach draußen zu kommen. Dort stand sein damaliger Schwiegervater und überbrachte die Nachricht.

Julian war zu diesem Zeitpunkt 21 Jahre alt. Erwin hinterließ keinen Abschiedsbrief.

Im Spiegel sprach Julian offen darüber:

„Mein Papa hat keinen Abschiedsbrief hinterlassen, es gab keine Erklärung. Für die Familie fühlt sich das richtig scheiße an, aber mir hat es geholfen zu wissen, dass er unbedingt sterben wollte und es nicht um einen Hilfeschrei oder ein Signal ging.“

Für Burgi Nagelsmann bedeutete dieser Tag das abrupte Ende eines gemeinsamen Lebens. Sie blieb allein in einem großen Haus in Bayern, umgeben von Erinnerungen an einen Mann, über dessen Arbeit sie selbst kaum etwas wusste.


Wie Julian für seine Mutter einstand

Was danach folgte, sagt mehr über Burgi Nagelsmann als jede Beschreibung von außen. Ihr damals 21-jähriger Sohn übernahm Aufgaben, die weit über sein Alter hinausgingen.

Julian im Spiegel:

„Ich war Anfang zwanzig, musste mich auf einmal um die Familie kümmern, die ganzen Versicherungen regeln. Alltagsdinge eben, an die man in dem Alter eigentlich keinen Gedanken verschwendet. Ich musste schwerwiegende Entscheidungen treffen, auch um meine Mutter zu entlasten, die auf einmal in einem großen Haus ohne ihren Partner wohnte. Mit all ihren Erinnerungen.“

Was Julian konkret unternahm:

  • Er verkaufte das Familienhaus, das Burgi allein bewohnte
  • Er organisierte einen Umzug in eine neue Unterkunft im Münchner Raum
  • Er regelte Versicherungen und sämtliche Behördenangelegenheiten
  • Er blieb Ansprechpartner für Mutter und Geschwister, während André und Vanessa weiter entfernt lebten

Julian sagte später, diese Phase habe ihn mehr geformt als alles andere. Sie habe ihm eine Perspektive gegeben, die er täglich als Trainer nutzt. Entscheidungen über Aufstellungen hätten eben eine andere Dimension als Entscheidungen, die das Leben seiner Mutter betrafen.

Im April 2024 sprach er bei MagentaTV nochmals über seinen Vater und ergänzte:

„Es tut mir ein bisschen leid, weil er viele Momente nicht erleben kann. Natürlich auch für meine Mama, meine Geschwister und mich.“


Auf der Tribüne in München: EM 2024

Am 14. Juni 2024 saß Burgi Nagelsmann im Stadion, als Julian die Europameisterschaft mit Deutschland eröffnete. Das Eröffnungsspiel gegen Schottland fand in der Allianz Arena statt, der Heimat, die sie ihr Leben lang kannte. Deutschland gewann 5:1.

Fotografen der Agenturen Getty Images (Stefan Matzke) und IMAGO (Jan Huebner) hielten fest, wie sie zusammen mit Julians Freundin Lena Wurzenberger und Tochter Vanessa auf der Tribüne saß. Der Moment ging durch mehrere Redaktionen.

Gegenüber Bild äußerte sich Julian über die Bedeutung dieses Abends:

„Die Unterstützung von Verwandten und Familie ist extrem wichtig. Ich war sehr froh, dass sie alle im Stadion waren.“

Doch der Abend trug auch eine stille Note. Im September 2024 sagte Julian gegenüber RTL und Stern:

„Da war die Familie vereint. Der Papa hat gefehlt. Das ist natürlich schon ein emotionaler Moment.“

Und weiter:

„Das hätte ihn sicherlich sehr stolz gemacht.“


Was bleibt

Julian Nagelsmann hat seinen Vertrag mit dem DFB im Januar 2025 bis 2028 verlängert. Er wird Deutschland zur WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko führen, danach zur EM 2028 auf den britischen Inseln.

Burgi Nagelsmann wird wahrscheinlich wieder auf der Tribüne sitzen. Kein Mikrofon, kein Interview, kein Name auf einem Trikot. Nur eine Frau aus Issing, die irgendwann in den frühen Neunzigern ihrem jüngsten Sohn erlaubte, zum FC Issing zu gehen, und die heute Zeuge eines der bemerkenswertesten Traineraufstiege im deutschen Fußball ist.

Dass ihr Name bis heute falsch buchstabiert, falsch erklärt und von kaum einer Redaktion korrekt eingeordnet wird, dürfte ihr gleichgültig sein. Julian kennt ihn.


Falls Sie oder jemand in Ihrem Umfeld Unterstützung benötigt: Die Telefonseelsorge Deutschland ist kostenlos und rund um die Uhr erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

Eric Kuster
Eric Kusterhttps://infozentral.de/
Eric Kuster schreibt seit 2015 über Politik, Promis, Sport und Gesellschaft. Er arbeitete für die Münchner Abendzeitung und mehrere Online-Portale, wo er Bundestagsdebatten, Promi-Skandale, Fußball-Transfers und Gerichtsverfahren abdeckte. Kuster berichtete aus dem Bundestag, interviewte Bundesliga-Spieler und recherchierte zu Steuerhinterziehungsfällen deutscher Prominenter. In Köln aufgewachsen, zog er 2019 nach Berlin, um näher am politischen Geschehen zu sein. Er verfolgt Entertainment-News genauso wie Migrations- und Technologiethemen. Im Februar 2026 gründete er Info Zentral, weil ihm Schnelligkeit ohne Oberflächlichkeit wichtig ist. Kuster hat Politikwissenschaft studiert, aber das meiste lernte er in Redaktionen.

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