Sie trug täglich Lichtschutzfaktor 50, mied die Mittagssonne und hat in über zehn Jahren als Botschafterin der Deutschen Krebshilfe hunderte Kindergärten über UV-Schutz aufgeklärt. Im September 2024 bekam Susanne Klehn trotzdem die zweite Hautkrebs-Diagnose ihres Lebens.
15 Jahre zuvor hatte die ARD-Moderatorin bereits ein malignes Melanom überlebt, bei einer Überlebenswahrscheinlichkeit von 67 Prozent. Was ihre Geschichte so wichtig macht, ist nicht die Prominenz. Es ist die medizinische Realität dahinter, die viele nicht kennen.
Inhaltsverzeichnis
2009: Ein Anruf verändert alles
Es ist ein gewöhnlicher Arbeitstag. Susanne Klehn, 27 Jahre alt, Reporterin beim MDR in Leipzig, will das Haus verlassen, um einen Bericht über die sächsische Weinkönigin zu drehen. Da klingelt das Telefon. Ihre Hautärztin:
„Kommen Sie jetzt, bitte, ja? Und wenn es geht, bringen Sie sich jemanden mit…“
Klehn erinnert sich: „Es klingt komisch, aber mir war sofort alles klar.“
Tage zuvor hatte ihr damaliger Freund ein auffälliges Muttermal auf ihrem Rücken bemerkt. Klehn ließ es herausschneiden, mehr aus kosmetischen Gründen. Das Ergebnis aus der Histologie lautet: malignes Melanom. Schwarzer Hautkrebs. Clark-Level 4 von 5, Tumorgröße über 1,5 Millimeter.
Ihre Frage an die Ärztin: „Muss ich jetzt sterben?“
Die Antwort: „Das weiß ich nicht.“
Die Ärzte nennen ihr eine 10-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit von 67 Prozent.
Interferon, Reha, fast zwei Jahre Behandlung
Nach einer zweiten Operation zur vollständigen Tumorentfernung beginnt die Interferon-Therapie: dreimal pro Woche Spritzen, Nebenwirkungen wie Fieber, Appetitlosigkeit, Depressionen. Die Rehabilitation findet in einer Klinik in Ahlbeck statt. Die gesamte Behandlungszeit dauert fast zwei Jahre.
Klehn schreibt ihre Erfahrungen in dem Buch „67 Prozent vom Glück“ nieder, erschienen 2015 im Eulenspiegel Verlag. Titel und Inhalt sind direkt aus dieser Zeit:
„Das große Glück steckt oft in viel kleineren Momenten, als man sich vorher vielleicht vorgestellt hat.“
Nach zehn Jahren ohne Befund gelten Patienten mit ihrem Melanomtyp laut Ärzten als geheilt. Klehn übersteht diese Marke.
September 2024: Die zweite Diagnose
Klehn schützt sich seit 2009 konsequent. LSF 50 täglich, Sonnenhüte, keine Mittagssonne, keine Solarien. Und trotzdem:
„Ich habe so akribisch auf Sonnenschutz geachtet, seit ich das erste Mal erkrankt bin. Trotzdem kam noch einmal etwas. Das war erst einmal schwer zu akzeptieren.“
Im Herbst 2024 wird im Gesicht ein Basalzellkarzinom festgestellt, eine Form des weißen Hautkrebses. Anders als das maligne Melanom bildet das Basalzellkarzinom kaum Metastasen, zerstört aber das umliegende Gewebe, wenn es nicht entfernt wird. Klehn auf Instagram, wo sie die Diagnose am 13. Mai 2025 öffentlich macht:
„Im Herbst ist bei mir im Gesicht ein Basalzellkarzinom festgestellt worden. Das ist bösartiger Hautkrebs, der nur selten streut, aber lokal zerstört.“
Ende Oktober 2024 wird sie operiert. Erfolgreich.
„Alles ist raus, die Narbe ist so gut gelungen, dass man sie kaum noch sieht, und ich bin unter regelmäßiger Kontrolle.“
Warum konsequenter Sonnenschutz eine zweite Erkrankung nicht immer verhindert
Das wirkt widersprüchlich. Medizinisch ist es erklärbar.
Ein Basalzellkarzinom entwickelt sich über 30 bis 40 Jahre. Die UV-Schäden, die es auslösen, entstehen lange vor dem Zeitpunkt, an dem jemand anfängt, sich zu schützen. Klehn selbst sagt es klar: „Denn oft liegt der Auslöser für späteren Hautkrebs 30 Jahre und mehr zurück.“
Dazu kommt ein weiterer Faktor: Laut Uniklinik Aachen erkranken rund 30 Prozent aller Patienten trotz vollständig entferntem Basalzellkarzinom irgendwann erneut. Regelmäßige Nachsorge beim Hautarzt ist aus diesem Grund keine Vorsichtsmaßnahme, sie ist medizinisch notwendig.
Das Basalzellkarzinom ist laut Deutschem Ärzteblatt die häufigste Krebsart bei hellhäutigen Menschen überhaupt und macht rund 80 Prozent aller Fälle von hellem Hautkrebs aus. In Deutschland erkranken jährlich rund 150.000 Menschen neu daran. Wird der Tumor früh erkannt und operiert, liegen Heilungsraten bei bis zu 99,5 Prozent. Für 2025 werden laut Institut für Krebsepidemiologie bundesweit rund 372.000 Hautkrebsneuerkrankungen insgesamt prognostiziert.
Dr. Franz Kohlhuber, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe:
„Die UV-Strahlung, die aufgrund des Klimawandels immer stärker und belastender wird, ist der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs.“
Hautveränderungen erkennen: Die ABCDE-Regel
Für die Selbstuntersuchung gilt die ABCDE-Regel der Deutschen Krebsgesellschaft. Wer auch nur eines dieser Merkmale an einem Muttermal bemerkt, sollte zeitnah zum Hautarzt:
| Merkmal | Woran man es erkennt | |
|---|---|---|
| A | Asymmetrie | Ungleichmäßige Form, nicht rund oder oval |
| B | Begrenzung | Unscharf, unregelmäßiger Rand |
| C | Color | Mehrfarbigkeit oder ungleiche Pigmentierung |
| D | Durchmesser | Wachstum, häufig ab 5 mm |
| E | Erhabenheit | Knotiges Wachstum oder neu entstanden |
Juckt, brennt oder blutet ein Muttermal, sofort zum Arzt.
Gesetzlich Versicherte haben ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf ein kostenloses Hautkrebsscreening. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten vollständig.
Klehns Botschaft, März 2026
Klehn ist weiterhin als Society-Expertin bei ARD Brisant aktiv und arbeitet seit über zehn Jahren als Botschafterin der Deutschen Krebshilfe. Ihr Schwerpunkt liegt auf dem Präventionsprojekt „Clever in Sonne und Schatten“, das UV-Schutz in Kindergärten, Schulen und im Alltag verankern soll.
Ihre Schutzregel: Meiden, kleiden, cremen. Mittagssonne meiden, Kleidung und Hut als ersten Schutz tragen, unbedeckte Stellen mit hohem Lichtschutzfaktor eincremen.
„Sobald wir das Haus verlassen, sind wir UV-Strahlung ausgesetzt, auch im Winter und wenn es regnet.“
Für alle, die eine Krebsdiagnose erhalten, empfiehlt sie außerdem psycho-onkologische Begleitung: „Den meisten wird nicht gesagt, dass sie Anspruch auf diese Hilfe haben. Ihr müsst aktiv danach fragen.“
Klehn hat zweimal erlebt, was frühzeitige Erkennung bedeutet. Beide Male war es jemand anderes, der zuerst eine Veränderung bemerkte. Beide Male hat das den Unterschied gemacht.
„Hautkrebs bleibt für immer ein Teil meiner DNA. Wenn nur eine junge Frau nicht mehr ins Solarium geht, ein Mann sagt, ich benutze jetzt Sonnenschutz, dann habe ich schon viel erreicht.“
Wer eine auffällige Hautveränderung bemerkt, die nicht verschwindet: Wartezeit abzusitzen hilft nicht. Ein Termin beim Hautarzt schon.

