Im November 2025 erschien ihr neuer Erzählband Weder Glück noch Unglück. Einen Monat später führte sie Regie bei einer Theaterpremiere in Wiesbaden. Für Herbst 2026 kündigt ihr Verlag den ersten gesammelten Gedichtband ihres Lebens an. Jutta Schubert arbeitet seit fast vier Jahrzehnten als Schriftstellerin und Theaterregisseurin, und ihr Programm für 2026 ist bereits voll.
Literaturkritiker Leander Sukov schrieb 2016 über sie: Schubert sei „eine Schriftstellerin, die in den Kanon jener aufgenommen gehört, die das Fundament der deutschsprachigen Literatur bilden.“ Viele kennen sie trotzdem noch nicht. Das ist das Paradox, das ihr Werk begleitet.
Inhaltsverzeichnis
Wer ist Jutta Schubert?
Jutta Schubert wurde 1959 in Wiesbaden geboren und lebt bis heute dort. Sie ist Schriftstellerin, Theaterregisseurin und Dramaturgin. Seit 1987 arbeitet sie freiberuflich: als Autorin, Regisseurin und Dozentin für Theatergeschichte und kreatives Schreiben.
Sie ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (Landesverband Hessen) und im PEN-Zentrum Deutschland. Ihr Werk umfasst Romane, Erzählbände, Theaterstücke, Lyrik, Libretti und Biografien. Dazu kommen Jahrzehnte als Regisseurin auf deutschen und internationalen Bühnen.
Von Thomas Bernhard bis zum Burgtheater Wien
Schubert studierte Theaterwissenschaften und Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Den Abschluss Magister Artium erwarb sie mit einer Arbeit über den österreichischen Dramatiker Thomas Bernhard.
Von 1983 bis 1986 arbeitete sie als Regieassistentin an drei der wichtigsten deutschsprachigen Bühnen:
- Schauspielhaus Bochum unter Claus Peymann
- Salzburger Festspiele
- Burgtheater Wien, u. a. mit George Tabori, Manfred Karge und Axel Manthey
Diese drei Jahre legten die handwerkliche Grundlage für alles, was danach kam. Von 1999 bis 2001 lehrte Schubert als Gastdozentin für Theatergeschichte und Dramaturgie an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, Studiengang Figurentheater.
Die Weiße Rose: Forscherin, Dramatikerin, Romanautorin
Kein Thema zieht sich so konsequent durch Schuberts Schaffen wie der Widerstand gegen den Nationalsozialismus, und kein Kapitel dieses Widerstands beschäftigt sie mehr als die Weiße Rose.
In den 1990er Jahren forschte sie jahrelang in Archiven und führte Interviews mit Zeitzeugen. Das Ergebnis: das Theaterstück Die Weiße Rose — Aus den Archiven des Terrors, 1997 im Theaterstückverlag München erschienen. Die Uraufführung folgte 2004 durch das Junge Schauspiel Ensemble München unter der Regie von Michael Stacheder in der Reithalle München. Die Süddeutsche Zeitung schrieb 2010 über eine spätere Aufführung, das Ensemble habe „alles anders“ gemacht „und sie machen es besser“, trotz der Flut an Filmen und Büchern über die Münchner Widerstandsgruppe.
2013 erschien beim Kulturmaschinen Verlag Berlin ihr Roman Zu blau der Himmel im Februar. Im Mittelpunkt steht Alexander Schmorell, der gemeinsam mit Hans Scholl ab Juni 1942 Flugblätter gegen das NS-Regime verfasste und verteilte. Schuberts Roman folgt den letzten Tagen seiner Flucht, die am 24. Februar 1943 durch Verrat und Verhaftung endete.
Der Einstieg ins Buch ist bezeichnend: Schubert beschreibt sich selbst im Zug von München nach Klais im Februar, auf derselben Strecke, die Schmorell einst fuhr, und fragt, was er vom Fenster aus wohl gesehen haben mag.
Wiesbadener Tagblatt-Rezensentin Anja Baumgart-Pietsch schrieb 2013: Schubert nehme die Rolle einer „Zeitzeugin der Zeitzeugen“ ein und treffe die innere Zerrissenheit des Protagonisten „in beklemmender Eindringlichkeit.“
2016 erschien beim Axel Dielmann Verlag Frankfurt eine überarbeitete und erweiterte Neuauflage. Am 12. Juli 2018 las Schubert auf Einladung der Weiße Rose Stiftung und von MIR e.V. in der Seidl-Villa München, anlässlich des 75. Todestages von Alexander Schmorell und Prof. Kurt Huber. Unter den Gästen war auch Markus Schmorell.
George Tabori: Begegnung und Hommage
Als Regieassistentin am Schauspielhaus Bochum begegnete Schubert Anfang der 1980er Jahre George Tabori zum ersten Mal. Tabori, 1914 in Budapest als Sohn jüdischer Eltern geboren und 2007 in Berlin gestorben, war eine der einflussreichsten Theaterpersönlichkeiten des deutschsprachigen Raums. Sein Werk stellte Rassismus, Ausgrenzung und die Verbrechen des Holocaust ins Zentrum, dabei immer gebrochen durch schwarzen Humor und absurde Komik.
Zum 100. Geburtstag Taboris erschien 2014 beim Kulturmaschinen Verlag Zwischen Sein und Spielen — George Tabori, eine Liebeserklärung. Schubert beschreibt darin Begegnungen und gemeinsame Arbeit. Sie schrieb, das Buch solle „etwas von seiner Persönlichkeit vermitteln, die uns ein Beispiel gibt“ — für alle, die ihn gekannt haben, und noch mehr für jene, die es nicht konnten. 2019 erschien eine überarbeitete Neuausgabe.
Erzählbände und Lyrik
Neben den großen historischen Projekten hat Schubert ein eigenständiges Prosa- und Lyrikwerk aufgebaut. 2005 erschienen die Venedig-Gedichte Unter dem Haus das Meer — Venezianische Fresken beim Edition art-management Hamburg, ein Zyklus, der bis heute zu ihren bekanntesten lyrischen Texten gehört.
2015 veröffentlichte sie beim Axel Dielmann Verlag Frankfurt ihren ersten Erzählband Die Nacht mit Marilyn, 17 Geschichten, 304 Seiten. Der Band ist ein Panorama zeitgenössischer Einsamkeit. Die Geschichten sind durch wiederkehrende Motive verbunden: Lichteinfall-Momente, Film- und Kunstbezüge, Schwindelgefühle, die kein Fundament bieten. Die Buchpremiere am 28. Januar 2016 in den Opelvillen Rüsselsheim wurde von der Frankfurter Neuen Presse rezensiert.
Danach folgten im Kulturmaschinen Verlag:
- Rettungen (2020): Geschichten über kleine Fluchten, Auswege und Neuanfänge
- Der Mond ist ein Licht in der Nacht (2022): Erzählungen über Abschied, Vergänglichkeit und Trennung, in denen der Mond als wiederkehrendes Motiv eine tragende Rolle spielt
- Briefe aus Prag (2024): Tägliche Aufzeichnungen aus einem einmonatigen Prager Stipendiumsaufenthalt im November 2014, anlässlich des 100. Todesjahres von Franz Kafka erstmals als Buch erschienen
- Sein oder hier sein (2024, Edition Maya): 48 Minidramen von A bis Z, entstanden als Reaktionen auf tagespolitische Ereignisse
Im November 2025 erschien zuletzt Weder Glück noch Unglück, Geschichten über Liebe, Jugend, Alter und die Spannung zwischen Festhalten und Loslassen.
Stipendien und Mitgliedschaften
| Jahr | Stipendium / Förderung |
|---|---|
| 1990 | Arbeitsstipendium, Hessisches Kultusministerium |
| 1990 | Residency, Künstlerdorf Schöppingen, Münsterland |
| 1992, 1993, 1995 | Autorenstipendium, Ministerium für Frauen, Familie, Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg |
| 1995, 1996 | Autorenstipendium, Kinder- und Jugendtheaterzentrum Frankfurt/M. und Bundesakademie Wolfenbüttel |
| 2014 | Pragstipendium, Hessischer Literaturrat und Prager Literaturhaus |
| o. J. | Paul Maar Stipendium |
Schreibkurse und Sommerakademie
Parallel zu ihrer Arbeit als Autorin und Regisseurin leitet Schubert Schreibkurse an der Volkshochschule Mainz. Das Grundformat heißt Handwerk des kreativen Schreibens, dazu kommen Spezialkurse zu autobiografischem Schreiben, Märchen und weiteren Themen.
Jeden Sommer findet an der VHS Mainz ihre Sommerakademie statt, mit drei Formaten:
- Roman-Werkstatt
- Short-Story-Werkstatt
- Der rote Faden für längere Schreibprojekte
Ausblick 2026
Im Herbst 2026 erscheint beim Kulturmaschinen Verlag Das Vermächtnis der Seefahrer, der erste gesammelte Gedichtband von Jutta Schubert. Er umfasst Texte von den späten 1980er Jahren bis zur Gegenwart, darunter den Venedig-Zyklus Unter dem Haus das Meer und bislang unveröffentlichte Gedichte. Bereits am 7. Juni 2026 moderiert und liest sie beim 4. Wiesbadener Bücherfest in der Emma Theaterwerkstatt.
Wer Schubert als Lyrikerin noch nicht kennt, findet in diesem Band den vielleicht vollständigsten Einstieg in vier Jahrzehnte eines außergewöhnlichen Werks.

