Im Januar 2026 gab Philipp Amthor dem Bunte-Magazin eines der persönlichsten Interviews seiner politischen Karriere. Der 33-jährige Parlamentarische Staatssekretär, der seit Mai 2025 im Kabinett von Kanzler Friedrich Merz die digitale Staatsmodernisierung mitverantwortet, sagte dabei einen Satz, den man von einem deutschen Regierungsbeamten selten hört: „Meiner Mutter verdanke ich alles.“ Die Frau, um die es geht, hat nie ein öffentliches Amt bekleidet, nie ein Interview gegeben und ist nie in einer Talkshow aufgetreten. Ihr Name: Susanne Amthor.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief: Die wichtigsten Fakten zu Susanne Amthor
| Bekanntheit durch | Mutter des CDU-Politikers Philipp Amthor |
| Aktuelle Wohnstadt | Ueckermünde, Mecklenburg-Vorpommern |
| Frühere Wohnstadt | Torgelow, Mecklenburg-Vorpommern |
| Geburtsjahr (geschätzt) | Späte 1960er / frühe 1970er Jahre (nicht öffentlich) |
| Beruf (Phase 1) | Gelernte Werkzeugmacherin |
| Beruf (Phase 2) | Coach in einem Callcenter (ab Wendezeit) |
| Familiensituation | Alleinerziehende Mutter ab Geburt Philipps |
| Öffentliche Auftritte | Keine |
Von Torgelow nach Ueckermünde
Susanne Amthor stammt aus Torgelow, einer Kleinstadt im Landkreis Vorpommern-Greifswald, rund 40 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Dort wuchs ihr Sohn Philipp auf, der am 10. November 1992 im nahe gelegenen Ueckermünde geboren wurde.
Heute lebt Susanne Amthor in Ueckermünde. Das bestätigte Philipp Amthor im Bunte-Interview vom Januar 2026 indirekt, als er erklärte, er besuche die Stadt regelmäßig, auch weil seine Mutter dort lebe. Es ist dieselbe Stadt, in der er das Greifen-Gymnasium besuchte und sein Abitur 2011 ablegte.
Über ihr genaues Geburtsdatum, ihren Beruf heute oder weitere persönliche Details ist öffentlich nichts bekannt. Susanne Amthor schützt ihre Privatsphäre konsequent.
Alleinerziehend nach der Wende: Der Kontext zählt
Die Eltern von Philipp Amthor trennten sich noch vor seiner Geburt. Das bestätigte er im Bunte-Interview. Sein Vater, ein Bundeswehrsoldat, spielte in seinem Leben keine Rolle. Amthor dazu: „Ich hatte auch nie ein wirkliches Bedürfnis, ihn kennenzulernen. Ich habe eine sehr liebenswerte Familie, bei der es mir an nichts gefehlt hat.“
Susanne Amthor war also von Anfang an allein verantwortlich. Und zwar in Torgelow, in einer Region, die nach dem Mauerfall in einen massiven Strukturbruch geriet:
- Die Eisengießerei, jahrzehntelang größter Arbeitgeber der Stadt, kollabierte
- Zahlreiche Betriebe wurden geschlossen oder privatisiert
- Die Arbeitslosigkeit stieg in der Region stark an
- Torgelow verlor in den 1990er Jahren erheblich an Einwohnern
Der Freitag beschrieb den Ort 2025 so: eine Kleinstadt „im äußersten Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns, an der Grenze zu Polen, wo sich die Panzergrenadiere der Bundeswehr und die Malocher der Eisengießerei gute Nacht sagen.“ Zu DDR-Zeiten kursierte demnach der Witz vom „Land der drei Meere“: dem Wald-Meer, dem Sand-Meer und dem Nichts-mehr.
Philipp Amthor hat diesen Kontext selbst benannt. In einem RTL-Interview sagte er auf die Frage, was er als Sohn einer alleinerziehenden Mutter fürs Leben gelernt habe: „Wenn du fleißig bist und dich anstrengst, kannst du viel und alles erreichen. Das ist ja für eine alleinerziehende Mutter gerade in der ganzen Zeit nach der Wiedervereinigung nicht leicht gewesen.“
Werkzeugmacherin, dann Coach im Callcenter
Susanne Amthors beruflicher Werdegang ist aus mehreren unabhängigen Quellen belegt: der Munzinger-Biographie zu Philipp Amthor, dem Tagesspiegel, der Berliner Zeitung und einem Recherche-Porträt des Freitag aus dem August 2025.
Erste Berufsphase: Werkzeugmacherin Sie absolvierte eine Ausbildung zur Werkzeugmacherin, einen technischen Handwerksberuf, der Genauigkeit und Ausdauer verlangt. Diese Qualifikation war in der zusammenbrechenden ostdeutschen Industriestruktur der frühen 1990er Jahre kaum noch gefragt.
Zweite Berufsphase: Coach im Callcenter Sie wechselte in den Dienstleistungsbereich und arbeitete als Coach bei einem Callcenter. Berufsumstieg, neue Qualifikation, neues Arbeitsumfeld, und das alles, während sie gleichzeitig ihren Sohn allein großzog.
Zwei Berufe in zwei sehr unterschiedlichen Wirtschaftswelten. Das ist kein untypischer Lebenslauf für Frauen aus Ostdeutschland, die die Wende in einem handwerklichen oder industriellen Beruf erlebt haben.
Großeltern, ostpreußische Wurzeln und das DDR-Elternhaus
Weil Susanne Amthor berufstätig war, verbrachte Philipp viel Zeit bei seinen Großeltern. Der Freitag beschrieb deren Einfluss 2025 so: Er hörte ihre „Geschichten über die Flucht aus Ostpreußen“ und übernahm ihre Vorstellungen von „Ordnung, Sauberkeit, Fleiß und Anstand.“
Der familiäre Hintergrund reicht damit weiter zurück: Philipps Urgroßvater stammte aus Ostpreußen und war Katholik, wie Amthor gegenüber DOMRADIO berichtete. Der Haushalt, in dem er aufwuchs, war jedoch atheistisch geprägt, was für DDR-Verhältnisse keine Besonderheit war. 2019 ließ sich Philipp Amthor taufen und trat in die römisch-katholische Kirche ein.
Der Anzug, den er heute bei fast jedem öffentlichen Auftritt trägt, bekam er laut taz vom Großvater zum 16. Geburtstag geschenkt, genau an dem Tag, an dem er der CDU beitrat.
Susanne Amthor war in diesen familiären Zusammenhalt fest eingebunden. Im Bunte-Interview sagte ihr Sohn: „Ich bin ihr sehr dankbar. Sie hat mich, wie auch meine Großeltern, gelehrt, wie wichtig Fleiß, Disziplin und Pflichtgefühl sind.“
Was Philipp Amthor über seine Mutter gesagt hat
Philipp Amthor redet selten über sein Privatleben. Wenn er es tut, führt der Weg fast immer zu seiner Mutter.
Bunte-Magazin, Januar 2026 „Meiner Mutter verdanke ich alles.“
Bunte-Magazin, Januar 2026 „Ich bin ihr sehr dankbar. Sie hat mich, wie auch meine Großeltern, gelehrt, wie wichtig Fleiß, Disziplin und Pflichtgefühl sind.“
RTL-Interview Auf die Frage, was er als Sohn einer alleinerziehenden Mutter fürs Leben mitgenommen habe: „Wenn du fleißig bist und dich anstrengst, kannst du viel und alles erreichen.“
ARD Hart aber Fair mit Moderator Louis Klamroth Als er darauf angesprochen wurde, dass schon 70 Euro für ein Monatsticket zuhause besprochen werden mussten, bestätigte Amthor die Prägung. Die Bundesrepublik, so seine Antwort, lebe von einem „Aufstiegsversprechen“: Nicht woher man kommt, sondern was man daraus macht, solle zählen.
Die Ostsee-Zeitung nannte ihn irgendwann „Muttis Liebling“, was als spöttische Bemerkung gemeint war. Es hat sich, im Licht dieser Aussagen, als ziemlich akkurate Beschreibung herausgestellt.
Eine Privatperson, die keine Bühne gesucht hat
Susanne Amthor hat seit Jahrzehnten kein Interview gegeben, keinen öffentlichen Auftritt gemacht und keine Plattform genutzt, obwohl ihr Sohn zu einem der meistdiskutierten jungen Politiker Deutschlands geworden ist.
Sie hat nach der Wende ihren Beruf gewechselt, ihren Sohn allein großgezogen, in einer wirtschaftlich hart getroffenen Region gelebt und ihm dabei Werte mitgegeben, die er heute öffentlich benennt. Die Mutter von Philipp Amthor braucht keine Kamera. Was sie hinterlassen hat, spricht der Mann, den sie aufgezogen hat, laut genug aus.

