Wer den Namen Beatrice Richter hört, denkt zuerst an Rudis Tagesshow und Sketchup. An Diether Krebs. An die 80er. Was dabei untergeht: Die Münchener Schauspielerin ist 77 Jahre alt, dreht 2026 einen neuen Film für ARD und ORF und hat eine Bühnenkarriere hinter sich, die lange vor dem Fernsehen begann und bis heute andauert.
Inhaltsverzeichnis
Beatrice Richter: Steckbrief
| Vollständiger Name | Beatrice Richter |
| Geburtsdatum | 20. Dezember 1948 |
| Geburtsort | München, Deutschland |
| Beruf | Schauspielerin, Komödiantin, Kabarettistin, Jazz-Sängerin |
| Bekannt für | Rudis Tagesshow, Sketchup (mit Diether Krebs) |
| Auszeichnung | Goldene Kamera (1982) |
| Tochter | Judith Richter (Schauspielerin, geb. 1978) |
| Wohnort | Berlin |
Aufgewachsen zwischen Büchern und Klassik
Beatrice Richter wurde am 20. Dezember 1948 in München geboren. Ihr Vater war Buchhändler, ihre Mutter Flötistin. Erste Bühnenerfahrungen sammelte sie noch als Kind im Kinderballett der Bayerischen Staatsoper München.
Nach der mittleren Reife folgte eine vierjährige Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule München, einer der bekanntesten Schauspielschulen Deutschlands. Als jüngste Schülerin des Jahrgangs wurde sie dem Lehrer Heinz Schubert zugeteilt, der durch seine Rolle als „Ekel Alfred“ in Ein Herz und eine Seele bekannt war. Nach der Ausbildung absolvierte sie Jazztanzunterricht bei Frank Hatchett in New York.
Theaterkarriere: Das Kapitel, das kaum jemand kennt
Bevor das Fernsehen auf sie aufmerksam wurde, arbeitete die Schauspielerin an einigen der wichtigsten deutschen Bühnen:
- Baden-Baden: Engagement unter dem damals noch unbekannten Regisseur Michael Haneke, der sie als Heilige Johanna besetzte. Haneke wurde später zweifacher Oscar-Preisträger.
- Bochum: Schauspielhaus unter Intendant Peter Zadek
- Hamburg: Thalia Theater unter Boy Gobert
- Frankfurt: Fritz-Rémond-Theater und Münchener Kammerspiele
- München: Ab 1979 zwei Jahre lang festes Ensemblemitglied der Kleinen Komödie München
Diese Jahre auf der Bühne gaben ihr ein Fundament, das ihr späteres Fernsehwerk bis heute trägt.
Rudis Tagesshow, Goldene Kamera und der Durchbruch im TV
Den Weg ins Fernsehen ebnete ein Auftritt in Dieter Hildebrandts Polit-Kabarett Scheibenwischer. Rudi Carrell sah sie bei einer Live-Sendung in Berlin und holte sie für seine neue ARD-Produktion: Rudis Tagesshow, eine Satire auf die Tagesschau, produziert von Radio Bremen.
Die Sendung polarisierte von Anfang an. Sie parodierte die Nachrichtensendung der ARD so scharf, dass sie im westdeutschen Fernsehen erhebliches Aufsehen erregte. An der Seite von Rudi Carrell standen neben Beatrice Richter auch Diether Krebs und Klaus Havenstein. Die Sendung lief von 1981 bis 1987.
Am 11. Februar 1982 wurde sie bei der Verleihung der Goldenen Kamera als beste Parodistin ausgezeichnet, für ihre Arbeit in der Sendung.
Sketchup: Das Kultduo mit Diether Krebs
Ab September 1984 bildete Beatrice Richter mit Diether Krebs das Hauptduo von Sketchup im Bayerischen Rundfunk. Die Sketch-Komödie unterschied sich deutlich von allem, was es bis dahin im deutschen Fernsehen gab:
- Kurze Sketche von zwei bis drei Minuten, meist ohne Erklärung oder Auflösung
- Figuren am gesellschaftlichen Rand: Verlierer, Angeber, Spießer, Kleinbürger
- Intensives Maskenspiel mit übertriebenen Charakterzeichnungen
- Trockener Humor, keine Absicherung für das Publikum
Das Publikum feierte beide als unschlagbares Duo. Die Sendung lief auch im Ausland, unter anderem in Belgien. Beatrice Richter war in elf Folgen zu sehen. 1985 verließ sie die Reihe, Iris Berben übernahm danach ihren Platz.
Kabarett, Jazz und Soloabende
Seit 1996 tourt Beatrice Richter mit eigenen Jazz-Kabarettsendungen als Mezzo-Sopranistin. Ihr erstes Soloprogramm Ich glaub ich bin nicht ganz normal feierte Premiere im Kabarett-Theater Die Wühlmäuse in Berlin. Weitere Programme folgten:
- Quo Vadis (2001, Tournee)
- Don Giovanni – Bad Boy (2004, Tournee)
- Loriot Abend (2004, Theater Moorlake Berlin)
Dass sie jenseits von Komödie und Kabarett auch klassische Theaterrollen trägt, stellte sie 2004 unter Beweis: Beim Jedermann nach Hugo von Hofmannsthal vor dem Kölner Dom spielte sie an der Seite von Johannes Heesters gleich drei Rollen: Geselle, Teufel und Mammon.
Tochter Judith Richter und Privates
Beatrice Richter hat eine Tochter: Judith Richter, geboren 1978, Vater ist der Schauspieler Heinz Baumann. Judith ist selbst Schauspielerin. Mutter und Tochter standen mehrfach gemeinsam auf der Bühne, zuletzt 2017 in der Komödie Hundert Quadratmeter am Theater im Rathaus Essen.
Von 1984 bis 1986 war Beatrice Richter mit Dr. J. Anthony „Tony“ Zito verheiratet. Die Ehe endete mit der Scheidung.
Let’s Dance 2015: Mit 66 auf dem Parkett
2015 trat Beatrice Richter als älteste Teilnehmerin der achten Let’s Dance-Staffel bei RTL an. Ihr Profitänzer war Vadim Garbuzov. Sie tanzte sich durch vier verschiedene Stilrichtungen:
| Show | Tanz | Musik |
|---|---|---|
| Show 2 | Slowfox | Stumblin‘ In (Chris Norman & Suzi Quatro) |
| Show 3 | Contemporary | Forever Young (Alphaville) |
| Show 4 | Quickstep | The Lady Is A Tramp (Sinatra & Fitzgerald) |
| Musical Special | Langsamer Walzer | Memory aus Cats |
Mitten in der Staffel starb ihre Mutter im Alter von 99 Jahren. Beatrice Richter trat trotzdem auf und widmete ihren Slowfox ihr. Das Publikum und die anderen Kandidaten schätzten sie als ruhigen Mittelpunkt der Staffel. In Show sechs schied sie aus.
Ihr Kommentar nach dem Ausscheiden blieb unvergessen: „Ich habe offenbar Fans, aber ich weiß gar nicht, wo die sind. Ich habe ja kein Facebook, kein Internet, keine E-Mails und habe es trotzdem so weit gebracht. Da könnt ihr mal sehen.“ Zuhause, fügte sie hinzu, stehe noch ein Telefon mit Wählscheibe.
Was macht Beatrice Richter heute?
Mit 77 Jahren steht Beatrice Richter weiterhin regelmäßig vor der Kamera. Für 2025 sind drei Fernsehproduktionen bestätigt:
- München Mord: Die Stadt, die es nicht gibt (ZDF)
- SoKo Stuttgart: Perlen vor die Säue (ZDF)
- Hubert ohne Staller: Tödliche Koordinaten (BR/ARD)
Für 2026 ist eine ARD/ORF-Koproduktion in der Produktion bestätigt: Fellinger – Eiskalter Hund, basierend auf dem Kriminalroman von Oliver Kern. Sie spielt darin die Rolle der Mama Fellinger. Regie führt Ed Herzog, das Drehbuch stammt von Murmel Clausen.
Eine Karriere, die im Kinderballett der Bayerischen Staatsoper begann, führt 2026 zum ARD-Fernsehfilm. Beatrice Richter hat sechs Jahrzehnte Bühne und Kamera hinter sich, drei Jahrzehnte Kabarett-Tourneen und mehr als 70 Fernseh- und Filmrollen. Wer sie nur aus den 80er Jahren kennt, kennt einen kleinen Ausschnitt einer außergewöhnlichen Karriere.

