Benedikt Sittler: Wer ist der Sohn von Walter Sittler?

Als Benedikt Sittler und seine Partnerin Yelena Mojarova in Tulum ihren ersten kleinen Pop-up aufbauten, hatten sie kaum Erwartungen. Die Kollektion war innerhalb weniger Tage ausverkauft. Das war der erste echte Beweis, dass ihre Idee trägt. Heute präsentiert ihre Marke Moja Rowa bei der Mailänder Modewoche Herbst/Winter 2026, am 25. und 28. Februar 2026 im The Core. Der Weg dorthin ist ungewöhnlich und beginnt in Stuttgart.



Stuttgarter Wurzeln, Modeausbildung am IED Mailand

Benedikt Sittler wurde 1987 in Stuttgart geboren, als mittleres Kind von Walter Sittler und Sigrid Klausmann. Walter Sittler ist dem deutschen Fernsehpublikum bekannt aus „Nikola“ und „Der Kommissar und das Meer“, Sigrid Klausmann arbeitet als Dokumentarfilmerin und Choreografin.

Nach der Schule zog Benedikt nach Mailand. Von 2009 bis 2012 studierte er Modedesign am Istituto Europeo di Design (IED). Sein Abschlussprojekt trug den Titel „Das innere Kind“, fotografiert auf der schwedischen Insel Gotland von Jens Spöri. Das Modell: sein Vater Walter. Die Bilder sind bis heute auf Walter Sittlers offizieller Website zu sehen.


Persönlicher Assistent von Andreas Kronthaler bei Vivienne Westwood

Nach dem Abschluss wechselte Benedikt Sittler nach London. Im Vivienne Westwood Studio in South London wurde er persönlicher Assistent von Andreas Kronthaler, dem Ehemann Westwoods und dem kreativen Kopf des Hauses. Kronthaler gilt als einer der prägendsten und eigenwilligsten Modedesigner Europas.

Auf der anderen Seite des Studios arbeitete Yelena Mojarova als Senior Designerin, direkt an der Seite von Vivienne Westwood. Aus der Begegnung der beiden im Studio wurde eine Beziehung und dann eine über ein Jahrzehnt andauernde kreative Partnerschaft. Anfang 2020 gaben beide ihre Stellen auf.


Mexiko: Drei Monate wurden zu fast drei Jahren

Der Plan war zunächst simpel. Eine kurze Reise durch Südamerika, Mexiko als erster Stopp, danach zurück nach Italien und eine neue Anstellung finden. Dann traf COVID-19 die Welt.

Das Paar mietete ein Haus im Dschungel und blieb fast drei Jahre. Sie reisten durch Mérida und Oaxaca, zwei der wichtigsten Zentren für traditionelle Textilkultur in Mexiko, erforschten präkolumbianische Webtechniken und experimentierten mit Naturfarben und Stickerei. Sittler beschrieb diese Zeit gegenüber WWD:

„Wir sind nicht nach Mexiko gegangen, um eine Marke zu gründen. Unser ursprünglicher Plan war zu reisen und dann nach Italien zu gehen und Arbeit zu finden. Aber durch das Leben in engerer Verbindung zur Natur und mehr Zeit zum Nachdenken kamen wir auf Ideen.“

Den konkreten Beweis lieferte Tulum: Ihr erster Pop-up mit einer kleinen Kollektion war innerhalb weniger Tage ausverkauft.


Moja Rowa: Gegründet 2022 in Yelenas Heimatregion in Italien

2022 kehrten Benedikt und Yelena nach Italien zurück, in Yelenas Heimatregion zwischen Marche und Emilia-Romagna. Dort gründeten sie offiziell Moja Rowa. Der Name ist eine Bearbeitung von Yelenas Nachnamen Mojarova, aufgeteilt und neu geschrieben. „Moja“ bedeutet in slawischen Sprachen „meine“, eine persönliche Aussage, die still im Markennamen steckt.

Das Konzept: Colorful Disobedience, bunte Ungehorsamkeit. In der Praxis bedeutet das:

  • Ausschließlich Deadstock-Materialien hoher Qualität, 60 Prozent einer typischen Kollektion bestehen daraus
  • Tie-Dye und Handdrucktechniken aus der Mexiko-Zeit als Kernelemente
  • Made-to-measure Strickwaren und handgefertigte Einzelstücke
  • Produktion mit italienischen Fabriken, gegenderlosen Schnitten für Frauen und Männer

Die Anfänge waren schwierig. Viele Lieferanten lehnten die Zusammenarbeit mit dem unbekannten Label ab. Yelena Mojarova nannte das intern „Rejection Therapy“.


Camera Moda Fashion Trust Grant 2025 und das Debüt auf der Mailänder Modewoche

Im Mai 2025 wurde Moja Rowa aus 80 Bewerbungen als eine von vier Gewinnermarken des Camera Moda Fashion Trust Grant 2025 ausgewählt. Preisgeld: 50.000 Euro, dazu ein Mentorenprogramm mit Branchenexperten. Die Preisverleihung fand bei einem Gala-Dinner in der Villa Necchi Campiglio in Mailand statt.

Sittler zu WWD: „Der Preis hat uns dabei geholfen, die Marke am Leben zu halten.“

Im September 2025 debütierte Moja Rowa erstmals auf der Mailänder Modewoche mit einer vollständigen Frühjahr/Sommer 2026-Kollektion. Das Thema der Präsentation war Tanz: Modelle mit Startnummern, Kopfhörer auf, stille Party in einem Bürgerhaus aus dem 19. Jahrhundert. Gleichzeitig folgte der erste Großhandelsvertrag mit dem Showroom 247. Berichte folgten in Vogue Italia, Vogue US, Corriere della Sera und D-la Repubblica. Zwei Pop-ups in New York und Paris hatten die Marke international bereits bekannt gemacht.


Benedikt Sittler bei der Mailänder Modewoche 2026

Vom 24. Februar bis 2. März 2026 läuft die Mailänder Modewoche für Herbst/Winter 2026, mitten in der Olympiasaison von Mailand-Cortina. Moja Rowa präsentiert am 25. und 28. Februar im The Core, in offizieller Zusammenarbeit mit dem Camera Moda Fashion Trust.

Für den Stuttgarter Modedesigner Benedikt Sittler ist das kein Zufall und kein Glücksfall. Es ist das Ergebnis von über einem Jahrzehnt Arbeit in einem der anspruchsvollsten Modestudios der Welt, gefolgt von einem radikalen Neuanfang im Dschungel und dem harten Aufbau einer Marke mit klaren Werten, ohne Abkürzungen. Dass er dabei seinen eigenen Weg gegangen ist, weit weg vom Familiennamen, macht ihn in der Modewelt interessant.

Eric Kuster
Eric Kusterhttps://infozentral.de/
Eric Kuster schreibt seit 2015 über Politik, Promis, Sport und Gesellschaft. Er arbeitete für die Münchner Abendzeitung und mehrere Online-Portale, wo er Bundestagsdebatten, Promi-Skandale, Fußball-Transfers und Gerichtsverfahren abdeckte. Kuster berichtete aus dem Bundestag, interviewte Bundesliga-Spieler und recherchierte zu Steuerhinterziehungsfällen deutscher Prominenter. In Köln aufgewachsen, zog er 2019 nach Berlin, um näher am politischen Geschehen zu sein. Er verfolgt Entertainment-News genauso wie Migrations- und Technologiethemen. Im Februar 2026 gründete er Info Zentral, weil ihm Schnelligkeit ohne Oberflächlichkeit wichtig ist. Kuster hat Politikwissenschaft studiert, aber das meiste lernte er in Redaktionen.

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