Hanspeter Sinner: Koch, Vater und Janniks größte Stütze

Wimbledon, Juli 2025. Jannik Sinner gewinnt das Finale gegen Carlos Alcaraz. Die Kameras schwenken auf die Box. Neben den Trainern Darren Cahill und Simone Vagnozzi sitzt ein Mann, der keine Interviews gibt, kein Social Media hat und trotzdem dort hingehört. Hanspeter Sinner. Vater. Koch. Einer der Gründe, warum dieser Moment überhaupt möglich war.



Koch auf 1.548 Metern

Johann Hanspeter Sinner ist in Sexten aufgewachsen, einem kleinen Ort im Hochpustertal in Südtirol. Deutsch ist seine Muttersprache, die Dolomiten sein Zuhause. Mehr als vier Jahrzehnte lang arbeitete er als Berufskoch, davon zwanzig Jahre auf der Talschlusshütte im Fischleintal.

Die Hütte liegt auf 1.548 Metern Höhe, am Ende des Fischleintals, direkt am Eingang des Naturparks Drei Zinnen, mitten im UNESCO-Weltnaturerbe der Dolomiten. Das offizielle Südtiroler Tourismusportal hielt seine Arbeit dort fest:

„Chefkoch Hanspeter verwöhnt Herz und Gaumen mit leckeren Südtiroler Spezialitäten, traditionellen mediterranen Gaumenfreuden sowie besonderen Schmankerln aus der Bauernkuchl.“

Auf der Talschlusshütte lernte er auch Siglinde kennen, die dort als Kellnerin arbeitete. Das Paar baute sein Leben in Sexten auf, gründete eine Familie und eröffnete später das Haus Sinner, eine eigene Ferienpension in Sexten mit Panoramablick direkt ins Fischleintal.


„Hier spielt man nicht allein!“

Was selbst viele Tennis-Fans nicht wissen: Hanspeter Sinner trainierte nebenberuflich die Jugendmannschaft des AFC Sexten. Und sein Sohn Jannik spielte in dieser Mannschaft.

Der damalige Vereinspräsident Wolfram Egarter beschrieb gegenüber der Corriere della Sera, dass Jannik zwischen 20 und 30 Tore pro Saison erzielte, außergewöhnliche Koordination hatte und schlicht der Beste auf dem Platz war. Das Problem war ein anderes: Jannik dribblte, und dribblte, und spielte keinen Mitspieler an.

Hanspeter stand an der Seitenlinie, wechselte seinen Sohn aus und rief ihm zu:

„Hier spielt man nicht allein!“

Egarter nannte Hanspeter Sinner später eine „außergewöhnliche Person“. Diese Szene auf einem Fußballplatz in Sexten erklärt mehr über Janniks Teamgeist auf der Tour als viele Analysen.


Wie Jannik überhaupt zum Tennis kam

Mit sieben Jahren hörte Jannik Sinner kurzerhand auf, Tennis zu spielen. Skifahren war sein erster Sport, Fußball sein zweiter. Tennis blieb dahinter. Sein Vater brachte ihn zurück. Das offizielle ATP-Profil von Jannik Sinner hält das bis heute fest:

„Started playing tennis at age 7 because his dad really liked the sport.“

Hanspeter überredete ihn, dem Sport eine zweite Chance zu geben. Janniks erster regelmäßiger Trainer war Heribert Mayr beim Tennis San Giorgio in der Region. Weil Hanspeter und Siglinde täglich auf der Talschlusshütte arbeiteten, war es Großvater Josef, der den kleinen Jannik früh morgens von Sexten zum Training fuhr. An vielen Tagen aß Jannik nicht zu Hause, sondern bei den Großeltern. Das Wiener Schnitzel der Oma wurde sein Lieblingsessen aus der Kindheit.

Jannik selbst sagte in einem Interview mit der Bunten:

„Wenn ich von der Schule nach Hause kam, waren meine Eltern nicht da. Sie arbeiteten. Ich hatte Tennis- oder Skitraining und musste für mich selbst sorgen.“


Mit 14 aus dem Haus — und er ließ ihn gehen

Mit 14 Jahren entschied sich Jannik Sinner, Sexten zu verlassen. Er zog nach Bordighera an der Ligurischen Riviera, um beim Trainer Riccardo Piatti zu trainieren. Für eine Familie in Sexten, die täglich auf einer Berghütte arbeitet, war das keine leichte Entscheidung.

Hanspeter und Siglinde ließen ihn gehen.

Jannik sprach nach seinem ersten Grand-Slam-Sieg bei den Australian Open 2024 direkt darüber:

„Ich wünschte, jeder hätte solche Eltern, weil sie mich immer selbst entscheiden ließen. Für meine Eltern, ihren Sohn mit 14 Jahren gehen zu lassen, war das auch nicht leicht. Aber sie haben mir nie Druck gemacht. Das ist vielleicht der Schlüssel, warum ich heute hier stehe.“


Seit 2022 fester Teil des Tour-Teams

Im Frühling 2023 gab Jannik beim Turnier in Monte Carlo bekannt, dass sein Vater seit der US-Hartplatzsaison 2022 offiziell zu seinem Tourteam gehört, als persönlicher Koch. Gegenüber der Corriere della Sera sagte er damals:

„Er stand 40 Jahre in der Küche, 20 davon auf der Talschlusshütte im Fischleintal. Er fing an, mich ab den US-Turnieren zu begleiten. Kochen ist sein Leben. Ich habe mit 14 das Haus verlassen, wir haben zu wenig Zeit miteinander verbracht. Jetzt holen wir das nach.“

Beim Turnier in Indian Wells 2024 beschrieb Jannik, was das im Alltag auf der Tour bedeutet:

„Er ist nervös, er zeigt es nur nicht. Wir kochen zusammen, abends schauen wir Serien. Das habe ich in den letzten Jahren sehr vermisst.“

Was Hanspeter für ihn kocht, verriet Jannik der Bunten: Am liebsten die Knödel seines Vaters, und als Nachtisch Buchteln. Südtiroler Küche, unterwegs auf der ATP-Tour.


Im Spielerfeld, wenn es zählt

Hanspeter Sinner reist nicht zu jedem Turnier. Wenn er da ist, dann bei Momenten, die zählen.

Bei den ATP Finals 2024 in Turin saß er gemeinsam mit Bruder Marc in Janniks Box, als Jannik seinen ersten Jahresabschlusstitel gewann. Beim Wimbledon-Finale im Juli 2025 stand er direkt neben Cahill und Vagnozzi in der Box, als Jannik Carlos Alcaraz in vier Sätzen besiegte.

Nach dem Sieg bei den Australian Open 2024 sprach er kurz mit der Gazzetta dello Sport:

„Eine große Freude, wirklich schön. Wir haben nach dem Finale kurz gesprochen. Man leidet mehr, wenn man ihn im Fernsehen schaut. Er war schon als Kind in allen Sportarten so gut wie jetzt in seinem Beruf.“

Ob ihn Janniks Dankesrede überraschte?

„Nein. So ist er. Er hat früh gelernt, was Arbeit, Einsatz und Bescheidenheit bedeuten.“


Hanspeter Sinner stand zwei Jahrzehnte lang auf 1.548 Metern und kochte Südtiroler Spezialitäten für Wanderer im Fischleintal. Heute kocht er für das Team seines Sohnes auf der ATP-Tour. Kein Instagram, kein Interview, keine Schlagzeile. Wer Jannik Sinner verstehen will, versteht auch, warum das so ist.

Eric Kuster
Eric Kusterhttps://infozentral.de/
Eric Kuster schreibt seit 2015 über Politik, Promis, Sport und Gesellschaft. Er arbeitete für die Münchner Abendzeitung und mehrere Online-Portale, wo er Bundestagsdebatten, Promi-Skandale, Fußball-Transfers und Gerichtsverfahren abdeckte. Kuster berichtete aus dem Bundestag, interviewte Bundesliga-Spieler und recherchierte zu Steuerhinterziehungsfällen deutscher Prominenter. In Köln aufgewachsen, zog er 2019 nach Berlin, um näher am politischen Geschehen zu sein. Er verfolgt Entertainment-News genauso wie Migrations- und Technologiethemen. Im Februar 2026 gründete er Info Zentral, weil ihm Schnelligkeit ohne Oberflächlichkeit wichtig ist. Kuster hat Politikwissenschaft studiert, aber das meiste lernte er in Redaktionen.

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