Jennifer Rauchet: Wer ist Pete Hegseths Ehefrau?

Sie sitzt nicht in der Befehlskette des US-Militärs. Ihr Name taucht auf keiner offiziellen Mitarbeiterliste des Pentagons auf. Und trotzdem war Jennifer Rauchet dabei, als Verteidigungsminister Pete Hegseth im Februar 2025 im NATO-Hauptquartier in Brüssel über die Waffenunterstützung für die Ukraine beriet, bei der auch Deutschland am Tisch saß.


Wie genau eine frühere Fox-News-Produzentin in den Mittelpunkt eines der größten nationalen Sicherheitsskandale der jüngeren US-Geschichte geriet, ist die Geschichte von Jennifer Rauchet.



Vom Fernsehstudio in die Bundeshauptstadt

Jennifer Rauchet, Jahrgang 1980, wuchs in Holmdel, New Jersey auf. Nach ihrem Abschluss in Journalismus an der Towson University in Maryland begann sie 2001 als Produzentin beim New Yorker Sender WPIX-TV.

2006 wechselte sie zu Fox News, wo sie über mehr als anderthalb Jahrzehnte blieb:

ZeitraumPosition
2006 bis 2017Executive Producerin, Fox & Friends Weekend
2017 bis 2018Executive Producerin, Watters‘ World
ab 2018Vizepräsidentin, Fox Nation

Auf IMDb sind außerdem Produktionskredite für die Dokumentarfilme Heroes of Hamburger Hill (2020), The Miseducation of America (2022) und Poison Ivy (2024) verzeichnet.


Die Affäre, die für Schlagzeilen sorgte

2016 begannen Pete Hegseth und Jennifer Rauchet eine Affäre. Er moderierte damals Fox & Friends Weekend, sie produzierte die Sendung. Beide waren zum Zeitpunkt der Beziehung noch verheiratet.

In Brian Stelters Buch Hoax (2020) wird ein Fox-News-Manager mit den Worten zitiert, Rauchet habe Hegseth „bevorzugt behandelt und ihm deutlich mehr Sendezeit gegeben als anderen Mitarbeitern.“

Die Chronologie der Ereignisse:

  • August 2017: Gemeinsame Tochter Gwen kommt zur Welt
  • Oktober 2017: Hegseth wird von einer Frau beschuldigt, sie auf einer Konferenz in Monterey, Kalifornien, sexuell genötigt zu haben. Er bestreitet die Vorwürfe. Es werden keine Anklage erhoben, er einigt sich jedoch auf eine außergerichtliche Zahlung von 50.000 Dollar unter einer Vertraulichkeitsvereinbarung.
  • September 2017: Hegseths zweite Frau Samantha Deering reicht die Scheidung ein
  • Juli 2018: Scheidung rechtskräftig
  • Juni 2019: Verlobung
  • 16. August 2019: Hochzeit

Nach Bekanntwerden der Beziehung versetzt Fox News Jennifer Rauchet intern von Fox & Friends zu Watters‘ World.


Die Hochzeit im Trump-Resort

Pete Hegseth und Jennifer Rauchet heirateten am 16. August 2019 im Trump National Golf Club in Colts Neck, New Jersey. Donald Trump und seine Familie gehörten zu den Gästen. Das Brautpaar posierte in roten „Make Marriage Great Again“-Mützen. Sean Hannity und Ainsley Earhardt reisten gemeinsam per Helikopter an, was als ihr erstes öffentliches Auftreten als Paar galt.

Heute führt das Paar eine Patchworkfamilie mit sieben Kindern: Rauchets drei Kinder aus erster Ehe, Hegseths drei Söhne Boone, Rex und Gunner aus seiner Ehe mit Samantha Deering sowie die gemeinsame Tochter Gwen.


Senatsanhörungen: Ein Novum

Als Pete Hegseth Ende 2024 als Kandidat für den Posten des US-Verteidigungsministers nominiert wurde, begleitete Jennifer Rauchet ihn zu sämtlichen Vorgesprächen mit republikanischen Senatoren. Laut CNN war das ein bisher unbekanntes Vorgehen bei einem Kabinettsanwärter.

Ein Senatsmitarbeiter sagte gegenüber CNN: „Sie war bei jedem einzelnen Treffen dabei, so etwas haben wir noch bei keinem anderen Kandidaten für irgendein Amt erlebt.“ Weibliche Senatorinnen, die Hegseth zu den Vorwürfen sexueller Übergriffe befragen wollten, zeigten sich laut CNN besonders frustriert. Rauchets Anwesenheit habe „die Dynamik dieser Gespräche vollständig verändert.“

Ein ehemaliger hochrangiger Pentagon-Beamter aus einer republikanischen Regierung sagte ebenfalls gegenüber CNN, er habe „noch nie gehört, dass jemand seinen Ehepartner zu einem offiziellen Arbeitsgespräch mitbringt.“

Am 25. Januar 2025 wurde Pete Hegseth als 29. US-Verteidigungsminister vereidigt. Jennifer Rauchet hielt dabei die Bibel.


NATO-Brüssel und das Treffen mit London

Das Wall Street Journal berichtete im März 2025 über zwei Treffen, bei denen Jennifer Rauchet anwesend war, obwohl sie keinerlei offizielle Rolle bekleidet:

Februar 2025, Brüssel: Rauchet saß bei einer Sitzung der Ukraine Defense Contact Group am NATO-Hauptquartier. Rund 50 Länder waren vertreten, darunter Deutschland und andere europäische Verbündete. Auf der Agenda standen koordinierte Waffenlieferungen an die Ukraine, Informationen, die laut WSJ routinemäßig als vertraulich eingestuft werden.

6. März 2025, Pentagon: Sie nahm an einem Gespräch zwischen Hegseth und dem britischen Verteidigungsminister John Healey sowie Admiral Tony Radakin, Oberkommandierender der britischen Streitkräfte, teil. Das Treffen fand einen Tag nach der Aussetzung der US-Geheimdienstkooperation mit der Ukraine statt. Einige ausländische Teilnehmer wussten laut WSJ nicht, wer Jennifer Rauchet war.

Das Pentagon bekleidet sie weder mit einem Titel noch einer Funktion. Ob sie über eine Sicherheitsfreigabe verfügt, lehnte das Pentagon gegenüber dem WSJ zu kommentieren ab. CNN berichtete später, sie habe entsprechende Unterlagen eingereicht. Ob die Freigabe erteilt wurde, ist bis heute öffentlich nicht bestätigt.


Der Signal-Chat mit Militärgeheimnissen

Im April 2025 berichtete die New York Times, Hegseth habe in einem zweiten Signal-Chat namens „Defense Team Huddle“ Details über geplante US-Luftangriffe auf Houthi-Ziele im Jemen geteilt, einschließlich der genauen Startzeiten von F/A-18-Kampfjets am 15. März 2025.

Mitglieder dieses Chats: Jennifer Rauchet, Hegseths Bruder Phil und sein Anwalt Tim Parlatore.

Laut NBC News stammten die Informationen ursprünglich von General Michael Kurilla, Kommandeur des US Central Command, der sie über einen gesicherten Regierungskanal übermittelt hatte. Hegseth leitete sie per Signal von seinem privaten Handy weiter.

Die Washington Post berichtete zudem, dass Rauchet aktiv in die Außenkommunikation des Ministeriums eingriff: Sie gab Vorgaben für Social-Media-Auftritte, bestimmte mit, welche Medieninterviews ihr Mann wahrnehmen sollte, und übermittelte seine Anweisungen direkt an DOD-Mitarbeiter. Das begann laut Post an seinem ersten Amtstag.


Was der IG-Bericht wirklich feststellte

Am 4. Dezember 2025 veröffentlichte Pentagon-Inspekteur Steven Stebbins nach achtmonatiger Ermittlung einen 84-seitigen Abschlussbericht. Die zentralen Punkte:

  • Die von Hegseth geteilten Informationen entsprachen Material, das vom US Central Command als SECRET//NOFORN klassifiziert worden war
  • Hegseth verstieß gegen DOD-Richtlinien zur Nutzung privater Geräte für Dienstgeschäfte
  • Er verstieß gegen das Bundesarchivierungsgesetz, da Signal-Nachrichten nicht gesichert wurden
  • Der Bericht stellt fest, seine Handlungen hätten „ein operatives Sicherheitsrisiko geschaffen, das zu einem Scheitern der US-Mission und zur Gefährdung amerikanischer Piloten hätte führen können“
  • Hegseth verweigerte ein persönliches Interview mit den Ermittlern und legte nur eine schriftliche Stellungnahme vor

Pentagon-Sprecher Sean Parnell nannte das öffentlich eine „vollständige Entlastung.“ FactCheck.org analysierte den Berichtstext und widersprach dieser Darstellung direkt.

Für Jennifer Rauchet selbst gilt: Sie war nachweislich Empfängerin eines Chats, der Material der höchsten regulären Geheimhaltungsstufe enthielt. Eine eigene Untersuchung gegen sie wurde nicht eingeleitet.


„Yoko Ono“ und die Fotos im Pentagon

Pentagon-Mitarbeiter gaben Jennifer Rauchet einen internen Spitznamen: „Yoko Ono“, eine Anspielung auf John Lennons Frau, bekannt für ihren starken Einfluss auf ihren Mann.

Ein Beamter des Verteidigungsministeriums sagte gegenüber der britischen Daily Mail: „Sie ist wie seine Bewährungshelferin und PR-Agentin gleichzeitig.“ Ein weiterer Insider bezeichnete sie als „menschliche Leine.“ Die Daily Beast berichtete, dass Fotos von Pete und Jennifer Hegseth an den Wänden des Pentagons angebracht wurden und sie in internen Videos des Ministeriums auftauchte.

John Ullyot, Hegseths damaliger Chefkommunikator, hatte Rauchets Anwesenheit öffentlich verteidigt. Nach seinem Ausscheiden sagte er der New York Times, die Situation sei „seltsam und unangemessen“ und könne „ein Risiko für die nationale Sicherheit darstellen.“ Seine frühere Verteidigung, so Ullyot, habe er auf Hegseths persönliche Anweisung hin abgegeben.

Greg Williams, Direktor des Center for Defense Information beim Project on Government Oversight, erklärte gegenüber CNN: Rauchets Präsenz „wirft ernsthafte Fragen darüber auf, ob Hegseth die Grenzen zwischen seinem Privat- und Berufsleben versteht“ und könne das Vertrauen von Verbündeten in die Geheimhaltung amerikanischer Militärinformationen beschädigen.


März 2026: Die Lage bleibt offen

Pete Hegseth ist weiterhin US-Verteidigungsminister. Jennifer Rauchet bekleidet weiterhin keine offizielle Stelle im Pentagon, hält keine bestätigte Sicherheitsfreigabe und ist auf keiner offiziellen Mitarbeiterliste zu finden.

Der IG-Bericht stellte Verstöße fest. Konsequenzen blieben aus. Trump steht hinter Hegseth.

Was die frühere Fox-News-Produzentin Jennifer Rauchet Hegseth in dieser Konstellation genau ist, Ehefrau, informelle Beraterin oder etwas dazwischen, hat Washington bislang nicht offiziell beantwortet. Dass diese Frage überhaupt gestellt wird, sagt viel darüber aus, wie ungewöhnlich die Situation ist.

Eric Kuster
Eric Kusterhttps://infozentral.de/
Eric Kuster schreibt seit 2015 über Politik, Promis, Sport und Gesellschaft. Er arbeitete für die Münchner Abendzeitung und mehrere Online-Portale, wo er Bundestagsdebatten, Promi-Skandale, Fußball-Transfers und Gerichtsverfahren abdeckte. Kuster berichtete aus dem Bundestag, interviewte Bundesliga-Spieler und recherchierte zu Steuerhinterziehungsfällen deutscher Prominenter. In Köln aufgewachsen, zog er 2019 nach Berlin, um näher am politischen Geschehen zu sein. Er verfolgt Entertainment-News genauso wie Migrations- und Technologiethemen. Im Februar 2026 gründete er Info Zentral, weil ihm Schnelligkeit ohne Oberflächlichkeit wichtig ist. Kuster hat Politikwissenschaft studiert, aber das meiste lernte er in Redaktionen.

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