Maximilian von Schierstädt: Karriere, Adel und Stretton Society

Er ist verheiratet mit einer der meistgesehenen Moderatorinnen Deutschlands — und trotzdem weiß die Öffentlichkeit fast nichts über ihn. Maximilian von Schierstädt hat das bewusst so gewollt. Wer aber genauer hinschaut, findet einen Mann mit einer bemerkenswerten eigenen Geschichte.


Barbara Schöneberger kennt in Deutschland jeder. Ihr Mann dagegen tritt so gut wie nie öffentlich in Erscheinung. Sein Name fällt meist nur dann, wenn jemand über ihre Ehe spricht. Dabei hat Maximilian von Schierstädt in den letzten Jahren eines der ungewöhnlichsten Kulturprojekte in Europa mitaufgebaut — fernab von Kameras und rotem Teppich.



Adliger Name, reale Geschichte: Wer steckt dahinter?

Der Name klingt nach Vergangenheit, und er ist es auch. Die Familie Schierstedt bzw. Schierstädt gehört zum obersächsischen Uradel und ist urkundlich seit 1263 nachweisbar. Barbara Schöneberger bestätigte in einem NDR-Interview 2018, dass ihr Mann tatsächlich aus diesem Adelsgeschlecht stammt.

Sein vollständiger bürgerlicher Name lautet: Maximilian Ulf Hubertus Johannes von Schierstädt. Er wurde 1973 geboren, ein Jahr vor seiner Frau.


Karriere: Nokia, Readly und ein eigenes Unternehmen

Maximilian von Schierstädt hat seinen beruflichen Weg in der deutschen Technologiebranche gemacht. Der Verlauf lässt sich heute aus öffentlichen Quellen und dem Handelsregister klar nachzeichnen:

  • gate5 AG — ein Berliner Technologieunternehmen im Bereich Navigation und Kartensoftware, das später von Nokia übernommen wurde
  • Nokia — nach der Übernahme von gate5 wechselte er in eine leitende Funktion bei Nokia, wo er als Director Partner Program Management & Developer Experience Entwicklerpartnerschaften im Berliner Standort verantwortete
  • Readly — von 2014 bis 2015 war er als Geschäftsführer für den Aufbau des deutschen Markts der schwedischen Magazin-Abo-Plattform zuständig
  • familynet GmbH — im Mai 2014 gründete er in Berlin-Charlottenburg sein eigenes Unternehmen, heute mit Sitz in Potsdam

Der im Handelsregister eingetragene Zweck von familynet: Entwicklung, Betrieb und Vertrieb von Software für das Internet oder mobile Anwendungen. Die Plattform zog institutionelle Investoren an. Die W&W Brandpool GmbH beteiligte sich mit einem siebenstelligen Betrag. Heute führt von Schierstädt das Unternehmen als Founder & CEO, daneben hält er über die Aveo Vermögensverwaltungs UG eine persönliche Beteiligungsgesellschaft.

2018 wurde er in das Beraterteam von Digitalstaatsministerin Dorothee Bär berufen, ein Gremium, das die Digitalisierung in Deutschland auf politischer Ebene vorantreiben sollte.


Die Stretton Society: Stradivaris für Weltklasse-Musiker

Das größte eigenständige Projekt von Maximilian von Schierstädt ist weder ein Tech-Startup noch ein politisches Amt. Es ist ein gemeinnütziger Verein, der Musikern Zugang zu Instrumenten verschafft, die für die meisten schlicht unerschwinglich sind.

2021 gründete er zusammen mit Stephan Jansen und Johannes Freiherr von Salmuth die Stretton Society e.V. in Berlin, organisatorisch verbunden mit der Stretton Violins GmbH.

Wie das Modell funktioniert

Mäzene erwerben seltene Streichinstrumente von Geigenbauern wie Antonio Stradivari oder Giuseppe Guarneri del Gesù und stellen sie ausgewählten Künstlern als kostenlose Leihgabe zur Verfügung. Die Stretton Society übernimmt die Vermittlung und Begleitung. Instrumente, deren Marktwert zwischen drei und über 15 Millionen Euro liegt, werden so wieder gespielt statt in Tresoren aufbewahrt.

Seit der Gründung haben mehr als 30 Künstlerinnen und Künstler Zugang zu solchen Instrumenten erhalten. Darunter:

  • Yamen Saadi erhielt die Stradivari „ex Kreisler, Lord Amherst of Hackney“ von 1734 — ein Instrument, auf dem Fritz Kreisler selbst gespielt hatte
  • Leonhard Baumgartner, der 17-jährige österreichische Geiger, bekam die Stradivari „ex Petherick“ von 1683 geliehen — das Instrument war zuvor 70 Jahre lang nicht gespielt worden
  • Sergey Khachatryan trat in Brüssel mit der „Kiesewetter“ Stradivari (ca. 1724) auf, einem Instrument im Wert von rund 16 Millionen US-Dollar
  • Weitere Träger sind Geigerin Vilde Frang und Cellist Pablo Ferrández

Ergänzt wird das Programm durch das Stretton Excellence Mentorship Program (xMP), das junge Talente mit Stipendien und direkter Förderung durch etablierte Solisten unterstützt. Ehrenmitglied im Beirat ist S.D. Fürst Max von und zu Liechtenstein.


Europäischer Kulturpreis 2024: Auszeichnung in Luxemburg

Am 7. Juni 2024 fand die Gala des Europäischen Kulturpreises in der Luxemburger Philharmonie statt. Die Stretton Society erhielt dort den Europäischen Initiativpreis für ihre Arbeit rund um den Zugang zu seltenen Streichinstrumenten für Musiker.

Maximilian von Schierstädt nahm den Preis persönlich entgegen. Das berichtete das renommierte Fachmagazin The Strad, das seit Jahrzehnten als Leitpublikation der Streicherszene gilt. Im Anschluss spielte Society-Stipendiat Benjamin Kruithof, Gewinner des George-Enescu-Wettbewerbs 2022, auf einem Guadagnini-Cello aus dem 18. Jahrhundert mit dem Luxemburger Philharmonischen Orchester.

Weitere Preisträger des Abends: Geigerin Lisa Batiashvili, Sopranistin Fatma Said, Tenor Rolando Villazón, Dirigentin Alondra de la Parra, Sänger Ronan Keating und der frühere EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.


Ehe und Familie: Privatleben mit klaren Grenzen

Am 17. Juli 2009 heiratete das Paar standesamtlich am Chiemsee in Bayern. Die kirchliche Trauung folgte am 3. Oktober 2009 in der Dorfkirche in Rambow, Brandenburg, im engen Familien- und Freundeskreis. Öffentliche Bilder der Hochzeit gibt es keine — das war Absicht.

Barbara Schöneberger nahm offiziell den Nachnamen ihres Mannes an. Im Personalausweis heißt sie Barbara von Schierstädt. Beruflich tritt sie weiterhin unter Schöneberger auf, bewusst auch zum Schutz ihrer Kinder.

Das Paar lebt in Berlin-Charlottenburg und hat zwei gemeinsame Kinder:

KindGeburtsjahr
Sohn2010
Tochter2013

Namen und Gesichter der Kinder hält Barbara Schöneberger konsequent aus der Öffentlichkeit heraus. In ihrem Podcast „Mit den Waffeln einer Frau“ sagte sie über ihren Mann: „Mein Mann ist ein behaarter deutscher Schrank.“ In einem NDR-Interview erklärte sie, sie hätte nie jemanden heiraten können, der klassische Musik nicht versteht — ein Hinweis darauf, wie viel beide verbindet.

Die Familie lebt nach eigenen Angaben weitgehend vegetarisch, aus Überzeugung. Ihre Leidenschaft für klassische Musik teilen beide seit Jahren.


Was bleibt

Wer nur wissen wollte, wen Barbara Schöneberger geheiratet hat, hat seine Antwort. Wer aber versteht, was Maximilian von Schierstädt in den letzten Jahren aufgebaut hat, sieht mehr als einen zurückhaltenden IT-Unternehmer aus gutem Haus. Mit der Stretton Society hat er eines der wenigen europäischen Förderprogramme mitgegründet, das Weltklasse-Musikern tatsächlich Zugang zu Instrumenten verschafft, die sonst in Privatsammlungen verstauben würden. Der Europäische Kulturpreis 2024 ist dafür ein handfester Beleg. Den Ruhm seiner Frau braucht er dafür nicht.

Eric Kuster
Eric Kusterhttps://infozentral.de/
Eric Kuster schreibt seit 2015 über Politik, Promis, Sport und Gesellschaft. Er arbeitete für die Münchner Abendzeitung und mehrere Online-Portale, wo er Bundestagsdebatten, Promi-Skandale, Fußball-Transfers und Gerichtsverfahren abdeckte. Kuster berichtete aus dem Bundestag, interviewte Bundesliga-Spieler und recherchierte zu Steuerhinterziehungsfällen deutscher Prominenter. In Köln aufgewachsen, zog er 2019 nach Berlin, um näher am politischen Geschehen zu sein. Er verfolgt Entertainment-News genauso wie Migrations- und Technologiethemen. Im Februar 2026 gründete er Info Zentral, weil ihm Schnelligkeit ohne Oberflächlichkeit wichtig ist. Kuster hat Politikwissenschaft studiert, aber das meiste lernte er in Redaktionen.

Weitere Artikel

Kommentare

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Meistgelesen