MFL Mischfutter und Landhandel GmbH: Insolvenz nach 31 Jahren

Am 26. September 2025 arbeiteten 24 Beschäftigte im Mischfutterwerk Pfaffendorf wie an jedem anderen Tag. Sie ahnten nicht, dass die Kündigungen bereits in den Briefumschlägen lagen. Wenige Monate früher hatte das Amtsgericht Dessau-Roßlau das vorläufige Insolvenzverfahren über die MFL Mischfutter und Landhandel GmbH eröffnet, mit dem erklärten Ziel, den Betrieb zu retten. Daraus wurde nichts.



Was war die MFL Mischfutter und Landhandel GmbH?

Gegründet 1994 von Bärbel Stary, produzierte das Familienunternehmen an seinem Hauptstandort in Pfaffendorf bei Edderitz Futtermittel für Nutz- und Heimtiere. Das Sortiment umfasste:

  • Mischfutter und Einzelfuttermittel für Geflügel, Schweine, Rinder und Pferde
  • Mineralfutter, Weizenkleie, Maisschrot und Saatgut
  • Landwirtschaftliche Betriebsmittel und Dünger

Alle Produkte wurden über einen eigenen Fuhrpark frei Hof geliefert.

Ab dem Jahr 2000 kam ein wichtiges Merkmal hinzu: die Zertifizierung als biologischer Verarbeitungsbetrieb durch Naturland e.V. MFL produzierte seitdem Öko-Mischfutter für Geflügel und Schweine, das europaweit vertrieben wurde. Das Qualitätssystem QS sicherte den konventionellen Produktionsbereich ab.

1998 übernahm das Unternehmen einen zweiten Standort in Uhyst/Spree in Sachsen, an dem täglich Händler und Privatkunden beliefert wurden. Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags beschäftigte das Unternehmen insgesamt 24 Mitarbeitende. Im März 2023 hatte Waldemar Stary die Geschäftsführung von Bärbel Stary übernommen.


Der Rückgang in Zahlen

Die im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschlüsse zeigen, wie sich die Lage des Unternehmens in den letzten Jahren vor der Insolvenz veränderte:

JahrBilanzsummeVeränderung
20216,75 Mio. EuroReferenzjahr
20225,32 Mio. Euro–21,1 %
2023weiterer RückgangTrend setzt sich fort

Innerhalb von zwei Jahren sank die Bilanzsumme um mehr als ein Fünftel. Den letzten Jahresabschluss, für das Geschäftsjahr 2023, reichte das Unternehmen im Mai 2025 ein, wenige Wochen vor dem Insolvenzantrag.


Lohnkosten, Kraftstoff, gescheiterte Verhandlungen

Gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung nannte Waldemar Stary die wirtschaftlichen Ursachen beim Namen:

  • Steigende Lohnkosten durch Tariferhöhungen und Mindestlohnanpassungen
  • Wachsende Kraftstoffkosten für den eigenen Lieferbetrieb
  • Gescheiterte Verhandlungen mit Vertragspartnern über bessere Einkaufskonditionen

Das Marktumfeld belastete zusätzlich. Laut Statistik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sank der Umsatz in der deutschen Mischfutterbranche im Jahr 2023 um 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Laut Deutschem Verband Tiernahrung e.V. (DVT) kontrollierten die zehn größten Mischfutterhersteller Deutschlands bereits 60 Prozent des Gesamtmarkts. Für einen regionalen Betrieb mit 24 Beschäftigten und eigenem Fuhrpark fehlten die Skaleneffekte, um steigende Kosten dauerhaft abzufangen.


Der Ablauf des Insolvenzverfahrens 2025

16. Juli 2025 — Das Amtsgericht Dessau-Roßlau ordnet die vorläufige Insolvenzverwaltung an (Az. 2 IN 126/25). Rechtsanwalt Dr. Moritz Sponagel, M.B.A. aus Berlin übernimmt als vorläufiger Insolvenzverwalter.

1. September 2025 — Das Insolvenzverfahren wird formal eröffnet. Gläubiger erhalten bis zum 21. Oktober 2025 Zeit, ihre Forderungen anzumelden.

26. September 2025 — Betriebseinstellung. Alle 24 Arbeitsverträge an beiden Standorten werden mit sofortiger Wirkung aufgehoben.

1. Oktober 2025 — Dr. Sponagel zeigt Masseunzulänglichkeit gemäß § 208 InsO an: Die vorhandene Insolvenzmasse reicht nicht aus, die Verfahrenskosten zu decken.

17. Oktober 2025 — Die Hamburger Bewertungsgesellschaft Lueders & Partner GmbH erhält den Auftrag zur Bewertung der mobilen Anlagegüter: Maschinen, Fahrzeuge, Produktionsanlagen.

18. November 2025 — Gläubigerversammlung beim Amtsgericht Dessau-Roßlau.


Die Entlassungen und der Streit mit der Insolvenzkanzlei

Waldemar Stary beschrieb den Ablauf gegenüber der Bauernzeitung im November 2025 offen:

„An dem Tag haben unsere Leute noch fleißig gearbeitet, und ich war auch in Rücksprache mit dem Büro. Da wurde mir nicht gesagt, dass die Kündigungen bereits im Briefumschlag waren.“

In früheren Gesprächen mit der Kanzlei sei ihm zugesichert worden, dass Entlassungen nicht geplant seien. Stary erhob außerdem den Rechtsvorwurf, die vertraglich vereinbarten Kündigungsfristen seien nicht eingehalten worden. Nach § 113 der Insolvenzordnung hat ein Insolvenzverwalter grundsätzlich eine dreimonatige Kündigungsfrist einzuhalten. Zu diesem Vorwurf äußerte sich die Kanzlei Sponagel öffentlich nicht.

In einer eigenen Pressemitteilung erklärte die Kanzlei, der Betrieb sei während des gesamten vorläufigen Verfahrens weitergeführt worden. Die Betriebseinstellung Ende September begründete sie damit, dass sich „kurzfristig abzeichnete, dass eine Kostendeckung für den Monat Oktober sowie die Folgemonate unter Berücksichtigung der laufenden Kosten nicht sichergestellt werden konnte.“

Stary hatte den Verkauf eines Grundstücks in Uhyst/Spree als möglichen Ausweg beschrieben. Auch dieser Verkauf scheiterte. „Wir wollen nur, dass es weitergeht“, sagte er der Bauernzeitung.


Stand Februar 2026: Kein Investor, offenes Verfahren

Nach der Gläubigerversammlung im November 2025 suchte die Kanzlei Sponagel nach eigenen Angaben nach einem Investor. Eine bestätigte Übernahme gibt es bis heute nicht. Das Insolvenzverfahren 2 IN 126/25 läuft formal noch.

Bundesweit zählte das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) für das Gesamtjahr 2025 insgesamt 17.604 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften, der höchste Stand seit 20 Jahren. Im verarbeitenden Gewerbe allein waren rund 62.000 Arbeitsplätze betroffen.

Was 1994 in Pfaffendorf mit 50.000 DM Stammkapital begann, brauchte 31 Jahre, um aufgebaut zu werden. Zwischen dem Insolvenzantrag im Juli 2025 und der Masseunzulänglichkeit im Oktober 2025 vergingen elf Wochen.


Quellen: Amtsgericht Dessau-Roßlau (Az. 2 IN 126/25), Bauernzeitung (November 2025), Mitteldeutsche Zeitung, Handelsregister Stendal HRB 13483 via North Data, Bundesanzeiger via Implisense, DVT – Deutscher Verband Tiernahrung e.V., IWH Halle, Lueders & Partner GmbH, BMEL-Statistik 2023/2024

Eric Kuster
Eric Kusterhttps://infozentral.de/
Eric Kuster schreibt seit 2015 über Politik, Promis, Sport und Gesellschaft. Er arbeitete für die Münchner Abendzeitung und mehrere Online-Portale, wo er Bundestagsdebatten, Promi-Skandale, Fußball-Transfers und Gerichtsverfahren abdeckte. Kuster berichtete aus dem Bundestag, interviewte Bundesliga-Spieler und recherchierte zu Steuerhinterziehungsfällen deutscher Prominenter. In Köln aufgewachsen, zog er 2019 nach Berlin, um näher am politischen Geschehen zu sein. Er verfolgt Entertainment-News genauso wie Migrations- und Technologiethemen. Im Februar 2026 gründete er Info Zentral, weil ihm Schnelligkeit ohne Oberflächlichkeit wichtig ist. Kuster hat Politikwissenschaft studiert, aber das meiste lernte er in Redaktionen.

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