Am Sonntag saß Vanessa Borck weinend vor ihrer Kamera. „Ich wollte es nur in meiner Story teilen, aber irgendwie hat es mich so verletzt, solche Kommentare zu lesen“, richtete die 29-jährige Berlinerin sich an ihre 2 Millionen Follower. Einen Tag zuvor hatte sie verkündet, bei Let’s Dance mit einer Frau zu tanzen. Die Reaktionen waren heftig.
In elf Tagen steht Nessi, wie sie online genannt wird, bei der RTL-Tanzshow auf dem Parkett. Doch statt Vorfreude dominiert gerade eine andere Emotion: Verletzung über die Kritik an ihrer Entscheidung. „Wieso gibt es Menschen, die mich mit einem Mann tanzen sehen wollen, obwohl ich es echt nicht fühle und möchte?“, fragte sie auf Instagram.
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Vom Traumpaar zur Trennung
Die Geschichte beginnt 2021, als Vanessa und ihre damalige Partnerin Ina unter dem Account „Coupleontour“ zu den bekanntesten queeren Paaren Deutschlands wurden. Sie zeigten ihre Hochzeit im Juni 2021, die Kinderwunschbehandlung, das Warten auf ihr Baby. Über eine Million Menschen verfolgten ihre Reise.
Am 12. Juli 2022 änderte sich alles. Ina erlitt einen schweren Schlaganfall. Sie lag im Koma, während Vanessa zwei Tage später am 14. Juli ihre Tochter Olivia Rose allein zur Welt brachte. Elf Monate verbrachte Ina im Krankenhaus. Sie musste Laufen und Sprechen neu lernen. Ihre linke Körperhälfte ist bis heute gelähmt.
Das Paar versuchte weiterzumachen. Zwischen 2021 und 2024 erschienen drei Bücher über ihre Geschichte bei Community Editions. Doch die Belastung war zu groß. Im September 2024 verkündeten sie ihre Trennung nach acht gemeinsamen Jahren.
Heute leben beide getrennte Leben. Vanessa blieb mit Livi in Berlin, Ina zog nach Köln. „Vanessa und Livi sind ein unzertrennliches Team“, erklärte Ina später öffentlich. Sie selbst konnte durch den Schlaganfall keine enge Bindung zu ihrer Tochter aufbauen.
Princess Charming endet ohne Happy End
Im Frühjahr 2025 wagte Vanessa einen Neuanfang. RTL kündigte sie als Princess Charming für die fünfte Staffel an. Im Juli 2025 reiste sie mit ihrer Schwester Laura und Tochter Livi nach Thailand zu den Dreharbeiten.
Was folgte, war historisch. In der zehnten Folge am 25. September 2025 brach Vanessa die Show vorzeitig ab. Ihre Favoritin Lotti hatte ihr mitgeteilt, dass ihre Gefühle nicht für eine Beziehung reichen. „Mein Herz ist so kaputt, dass ich gerade einfach niemanden mehr reinlassen kann“, sagte sie unter Tränen.
Es war das erste Mal, dass eine Princess Charming freiwillig ging. Die Staffel endete ohne Finale, ohne Gewinnerin. Für Vanessa war es eine weitere Enttäuschung in ihrer Suche nach Liebe.
Zwei neue Chancen innerhalb von fünf Tagen
Jetzt versucht sie es gleich doppelt. Am 22. Februar 2026 startet ihr eigenes Dating-Format „Nessi In Love“ auf YouTube. Anders als bei Princess Charming kennen die Kandidatinnen sie bereits. Ihre Schwester Laura hilft bei der Auswahl und plant die Dates. Produziert wird das Format von Seapoint Productions, der Firma hinter Princess Charming, in TV-Qualität.
„Es wird dadurch persönlicher, ehrlicher und es gibt mehr Raum für echte Gespräche“, erklärt Vanessa. Das Format läuft ohne festgelegtes Ende, bis sie ihre Traumfrau gefunden hat. Bewerbungen sind bereits möglich.
Nur fünf Tage später, am 27. Februar 2026, startet die 19. Staffel von Let’s Dance. Vanessa wurde im Januar als erste Kandidatin angekündigt. Sie wird als zweite Frau in der Geschichte der RTL-Show mit einer weiblichen Profitänzerin antreten. 2019 tanzte bereits Kerstin Ott mit Regina Luca.
„Zwei Frauen können genauso tanzen, fühlen, flirten und eine Geschichte erzählen“, sagte sie der Bild. Durch ihre Sexualität fühle sie sich Frauen einfach näher. Tanzen habe viel mit Gefühl zu tun, das könne sie mit einem Mann nicht ausleben.
Die Kritik trifft sie härter als gedacht
Die Ankündigung löste eine Welle negativer Kommentare aus. Einige bezeichneten ihre Entscheidung als „enttäuschend“, andere hätten sie lieber mit einem Mann gesehen. Für Vanessa, die normalerweise über solchen Reaktionen steht, war es diesmal anders.
In ihrer emotionalen Reaktion am Sonntag rief sie ihre Community zur Unterstützung auf: „Lasst uns ganz viele Herzen sammeln, ganz viele Likes. Denn wir sind gemeinsam stärker als diese negativen Kommentare.“
Die Unterstützung kam schnell. Anna-Carina Woitschack, ebenfalls Let’s Dance Kandidatin 2026, kommentierte: „Lass dich niemals unterkriegen. Freu mich unglaublich auf die gemeinsame Zeit.“ Auch GNTM-Siegerin Daniela Djokic meldete sich solidarisch.
Von Mallorca nach Berlin
Geboren wurde Vanessa am 27. September 1996 auf Mallorca. Nach der Trennung ihrer Eltern zog sie mit ihrer Mutter und jüngerer Schwester Laura nach Brandenburg. Dort besuchte sie ein Privatgymnasium in Grünheide, machte einen Bachelor in Betriebswirtschaftslehre und einen Master in Wirtschaftspsychologie.
Heute lebt sie in Berlin, wo sie als Content Creator arbeitet. Neben Let’s Dance und ihrem Dating-Format produziert sie seit Januar 2025 den Podcast „Girls Girls“. Ursprünglich startete sie ihn mit Influencerin Tanja Makarić, seit September 2025 führt sie das Format nach Konflikten allein weiter.
Im April 2025 veröffentlichte sie ihr erstes eigenes Kinderbuch „Wo Liebe wohnt“. Im Herbst 2025 erhielt sie die Diagnose ADHS, über die sie offen in ihren sozialen Medien spricht.
Was jetzt kommt
Die nächsten Wochen werden intensiv. Training für Let’s Dance, Produktion von Nessi In Love, der Alltag als alleinerziehende Mutter. Vanessa hat sich für ihre Teilnahme bei Let’s Dance bewusst vorbereitet. Auf Instagram zeigte sie ihre ersten Dehnübungen. „Ich komme nicht mal mit den Händen an meine Füße“, gestand sie humorvoll. Ihr Ziel: bis zum Start den Spagat zu lernen.
Auf die Frage, ob sie mit ihrer Entscheidung hadert, antwortete sie klar: „Ich bin dankbar, dass Let’s Dance damit ein Zeichen setzt.“ In einer Gesellschaft, die 2026 immer noch über zwei tanzende Frauen diskutiert, sieht sie ihre Teilnahme als Statement.
Am 27. Februar wird sie zeigen, dass ihre Entscheidung richtig war. Bis dahin startet am 22. Februar ihre eigene Suche nach Liebe. Diesmal auf ihre eigene Art, nach ihren eigenen Regeln.

