Der Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow hat Deutschland erschüttert. Seit November sitzt eine 29-jährige Frau wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Ihr Name: Gina Hanauer. Was über sie bekannt ist, was die Ermittler bisher herausgefunden haben, und warum die Zeit jetzt drängt.
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Wer ist Gina Hanauer?
Gina Hanauer wuchs in Zehna auf, einem kleinen Ort in der Nähe von Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. Zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung war sie 29 Jahre alt und lebte mit ihrem Sohn und ihren Großeltern in Reimershagen, einem Dorf rund 15 Kilometer südlich von Güstrow.
Sie beschrieb sich auf Instagram mit den Worten: „29 jahre / Alleinerziehende Mama von einem Tollen Sohn / Pferde & Hund.“ Reiten war ihre große Leidenschaft. Unter dem Verein RFV Vietgest e.V. nahm sie an regionalen Springturnieren teil, unter anderem beim Güstrower Springturnier im September 2025 mit ihrer Stute Cleo 269.
Nachbarn beschrieben sie als ruhig, freundlich und unauffällig. Viele stehen bis heute unter Schock.
Mehrere Jahre war sie mit Matthias R. (34), dem Vater von Fabian, liiert. Die Beziehung endete Mitte August 2025.
10. Oktober 2025: Der Tag, an dem Fabian verschwand
Fabian sollte an jenem Freitag zu Hause bleiben. Er hatte am Vortag Nasenbluten gehabt und fühlte sich nicht gut. Seine Mutter Dorina L. (30) verließ um 8:30 Uhr die Wohnung in Güstrow, verabschiedete sich mit den Worten „Hab‘ dich lieb, bis später“ und ging zur Arbeit.
Als sie am Nachmittag zurückkam, war Fabian weg.
Laut Ermittlern verließ er das Haus um 10:50 Uhr. Sein Handy ließ er zu Hause zurück, was seiner Mutter sofort Alarm schlug. Sie meldete ihn als vermisst. Es folgte eine großangelegte Suchaktion mit Hubschraubern, Drohnen, Hunden und Booten.
Spürhunde verfolgten Fabians Spur bis zum Omnibusbahnhof Güstrow. Die Fährte wurde später nahe einer Bushaltestelle in Zehna, dem Wohnort von Fabians Vater, wieder aufgenommen, verlor sich dann aber in einem Waldgebiet.
Die Ermittler gehen davon aus, dass Fabian noch am selben Tag zwischen 11 und 15 Uhr getötet wurde.
14. Oktober: Die Leiche wird gefunden
Vier Tage nach Fabians Verschwinden wurde seine Leiche an einem Tümpel bei Klein Upahl, rund 15 Kilometer von Güstrow entfernt, entdeckt. Der Leichnam war angezündet worden, offenbar um Spuren zu vernichten. Die Obduktion bestätigte: Mord durch Gewalteinwirkung. Als mutmaßliche Tatwaffe gilt ein Messer. Die Tatwaffe wurde bis heute nicht gefunden.
Diejenige, die die Leiche des Jungen angeblich bei einem zufälligen Spaziergang fand und der Polizei meldete: Gina Hanauer, die Ex-Freundin von Fabians Vater.
Wie Gina H. unter Verdacht geriet
Schon früh hegten Dorina und Matthias R. unabhängig voneinander den Verdacht, dass Gina H. etwas mit dem Tod ihres Sohnes zu tun haben könnte. Fabians Mutter hatte ihr grundsätzlich vertraut. Ihre Anwältin sagte gegenüber Bild: „Die Beschuldigte dem Kind eigentlich zugetan war. Sonst hätte die Mutter es gar nicht veranlasst, dass sie Umgang mit dem Kind haben darf.“
Dass ausgerechnet Gina H. die Leiche fand, machte die Ermittler sofort stutzig. Der Fundort bei Klein Upahl ist kein üblicher Spazierweg.
Belastende Zeugenaussagen
Kurz vor dem Haftprüfungstermin im Dezember 2025 wurden Aussagen bekannt, die die Verdächtige schwer belasten:
- Ein Zeuge berichtete gegenüber RTL, Gina H. habe ihn bereits in der Nacht zum 14. Oktober, einen Tag vor dem offiziellen Fund, zum Tümpel gefahren. Er habe mit einer Taschenlampe die Leiche gesehen. Gina H. habe ihm danach bestätigt, es handele sich um Fabian.
- Der Mann meldete sich erst am nächsten Tag bei der Polizei. Sein Verdacht: Sie habe ihn mitgenommen, damit seine DNA am Tatort hinterbleibt.
- Laut RTL soll er nicht der einzige gewesen sein, den Gina H. vor dem offiziellen Fund dorthin geführt hatte.
- Ein weiterer Zeuge berichtete, er habe ihren orangefarbenen Ford-Pick-up am Tag von Fabians Verschwinden aus Richtung des Fundorts kommen sehen.
Oberstaatsanwalt Harald Nowack (Staatsanwaltschaft Rostock) bestätigte gegenüber t-online: „Wir haben alle Zeugen, die namentlich bekannt sind, befragt. Wir haben Erkenntnisse, die ich aber noch nicht preisgeben will.“
Verhaftung am 6. November 2025
Nach mehreren Durchsuchungen rückte die Polizei am 6. November 2025 mit rund 120 Beamten in Reimershagen und dem Ortsteil Rum Kogel an. Gina H.s Wohnung wurde durchsucht, ihr auffälliger orangefarbener Pick-up beschlagnahmt. Am Fahrzeug konnten Spuren gesichert werden.
Noch am selben Tag wurde Gina Hanauer wegen dringenden Mordverdachts festgenommen. Seit dem 7. November 2025 sitzt sie in der JVA Bützow, rund 20 Autominuten von Güstrow entfernt.
Seit ihrer Festnahme hat sie konsequent geschwiegen. Ihr Pflichtverteidiger Andreas Ohm sagte gegenüber t-online: „Zum jetzigen Zeitpunkt ist keine Aussage geplant.“
Für Gina Hanauer gilt die Unschuldsvermutung. Sie ist bisher nicht verurteilt.
Haftprüfungen scheitern, Beweise bleiben umstritten
Ohm beantragte im Dezember 2025 eine Haftprüfung. Das Amtsgericht Rostock lehnte am 3. Dezember ab. Seine anschließende Haftbeschwerde beim Landgericht Rostock scheiterte ebenfalls, kurz vor Weihnachten. Das Gericht befand, die Voraussetzungen für den Haftbefehl lägen weiterhin vor.
Ohm argumentierte: „Es gibt keinen direkten Tatnachweis und keine Tatwaffe. Die Untersuchungshaft beruht auf Indizien und mehr nicht.“
Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Nowack stellte klar: „Es gibt nur eine Beschuldigte. Es fokussiert sich alles auf die Frau in Untersuchungshaft.“
Aktueller Stand: Februar 2026, die Zeit läuft
Die Ermittler haben seit Oktober 2025 fast 1.000 Spuren ausgewertet. Noch steht das toxikologische Gutachten aus, die Tatwaffe fehlt.
Nach deutschem Recht darf die Untersuchungshaft ohne Verlängerung durch das Oberlandesgericht nicht länger als sechs Monate dauern. Die Frist läuft im Mai 2026 ab. Nowack gegenüber dem Berliner Kurier: „Die Sechsmonatsfrist läuft im Mai ab, bis dahin muss die Hauptverhandlung beginnen. Es muss also schnell gehen.“
Nowack erklärte im Januar 2026 gegenüber t-online, die Ermittlungen sollten Ende Februar oder Anfang März 2026 abgeschlossen werden. Am 4. Februar räumte er ein, dass es etwas länger dauern werde als zunächst angekündigt.
Was noch offen ist
| Offene Frage | Stand |
|---|---|
| Tatwaffe | Nicht gefunden |
| Tatort (Tümpel oder anderswo?) | Nicht offiziell bestätigt |
| Toxikologisches Gutachten | Stand Januar 2026 noch ausstehend |
| Anklageerhebung | Noch nicht erfolgt |
| Hauptverhandlung | Muss vor Mai 2026 beginnen |
Der Kriminalprofiler Axel Petermann, ehemaliger Leiter der Bremer Mordkommission, sagte gegenüber RTL über mögliche Motive bei weiblichen Tätern: „Frauen töten im näheren Umfeld. Möglicherweise wollte sie jemanden bestrafen oder mit dem Mord dafür sorgen, dass sich jemand anderes wieder enger an sie bindet.“ Er verwies auf das sogenannte Medea-Syndrom, also den Versuch, einer anderen Person durch eine Tat das Liebste zu nehmen. Er betonte aber auch, solche Einschätzungen seien hypothetisch, solange kein Urteil gesprochen ist.
Gina Hanauer selbst hat sich bisher nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert. Ihr Anwalt betonte, seine Mandantin gehe davon aus, auf freien Fuß zu kommen.
Für Gina Hanauer gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.

