Als Johannes Thingnes Bø im Januar 2025 in Ruhpolding seinen Rücktritt ankündigte und dabei in Tränen ausbrach, schrieb Hedda Kløvstad Dæhli auf Instagram nur einen Satz: „Ich bin so unendlich stolz auf dich.“ Für viele Biathlon-Fans war das der erste Moment, in dem sie wirklich auf die Frau aufmerksam wurden, die seit Jahren hinter Norwegens erfolgreichstem Athleten steht. Sie ist Juristin, Mutter zweier Kinder und hat ihren eigenen Kopf, wenn es darauf ankommt.
Inhaltsverzeichnis
Aufgewachsen auf einem Bauernhof in Vestmarka
Hedda Kløvstad Dæhli wurde 1994 in Norwegen geboren und verbrachte ihre gesamte Kindheit auf einem Bauernhof in Vestmarka, einer kleinen Gemeinde in Eidskog, Innlandet. Kein Stadtrand, kein Vorort. Echter Landbetrieb, mitten in der Natur.
In einem Interview mit der norwegischen Regionalzeitung Glomdalen beschrieb sie diese Zeit:
„Wir spielten draußen, egal zu welcher Jahreszeit und bei jedem Wetter. Im Sommer bauten wir Baumhütten, im Winter Schneeburgen. Wir schickten Rindenboote den Waldbach hinunter und fuhren mit Lenkschlitten über die Felder.“
Als Kind war ihr das selbstverständlich. Nach Jahren in Oslo weiß sie, dass genau diese Freiheit heute selten ist.
Juristin nach einem Umweg
Nach dem Abitur in Kongsvinger zog Hedda im Herbst 2012 nach Oslo. Sie begann ein Betriebswirtschaftsstudium, merkte aber während des ersten Jahres, dass das nicht ihr Weg war.
Sie wechselte das Fach, bewarb sich für den Masterstudiengang Rechtswissenschaften an der Universität Oslo und schloss diesen 2019 ab. Kurz danach wurde sie schwanger. Heute beschreibt sie sich auf Instagram in vier Worten: Juristin. Mutter. Kongsvinger. Haus und Inneneinrichtung.
Prosecco und eine Frage: Wie alles begann
Hedda und Johannes Thingnes Bø lernten sich im Sommer 2015 kennen. Öffentlich traten sie erst im August 2016 gemeinsam auf, bei der Präsentation einer Kleidungskollektion des Musikers Kygo in Oslo.
Den Beginn ihrer Beziehung beschrieb Hedda damals selbst auf Instagram, in einem Post, der bis heute zitiert wird:
„Vor einem Jahr heute schenkte er mir Prosecco ein und fragte, ob wir ein Paar werden wollen. Ich sagte ja, und das ist eine der besseren Vereinbarungen, die ich in leicht angeheitertem Zustand getroffen habe.“
Im Februar 2017 zogen sie zusammen in eine 104 Quadratmeter große Wohnung in Vinderen, Oslo. Im Dezember 2017 machte Johannes die Verlobung mit einem Instagram-Foto öffentlich. Und am 30. Juni 2018 heirateten Hedda Kløvstad Dæhli und Johannes Thingnes Bø in der Vestmarka Kirche in Eidskog, mitten in ihrer Heimatregion. Freunde, Familie und viele aus dem Biathlon-Umfeld waren dabei.
Gustav und Sofia
Seit 2020 sind Hedda und Johannes Eltern zweier Kinder:
- Sohn Gustav kam im Januar 2020 zur Welt. Johannes unterbrach die Weltcupsaison für die Elternzeit.
- Tochter Sofia wurde im Sommer 2023 geboren.
Nach seinem Weltmeistertitel im Massenstart in Anterselva 2020 überquerte Johannes die Ziellinie mit Wiegebewegungen als Geste für den wenige Wochen alten Gustav. Gegenüber VG sagte er danach, die Preisgelder würden direkt in den Hausbau in Kongsvinger fließen. Beiden Kindern schützen sie bewusst vor der Öffentlichkeit. Auf Social Media werden ihre Gesichter nicht gezeigt.
Kongsvinger: Eine Entscheidung, die schon 2018 gefallen war
Das Grundstück in Bogeråsen, Kongsvinger, reservierten Hedda und Johannes bereits 2018, noch vor Gustavs Geburt. Der Umzug aus Oslo war keine spontane Reaktion auf die Elternschaft, sondern eine früh getroffene Entscheidung.
In der Glomdalen erklärte Hedda Dæhli Bø, warum Kongsvinger:
„Die Nähe zu meinen Eltern in Vestmarka und zu vielen guten Freunden, die ebenfalls zurückgezogen sind, ist der Hauptgrund. Menschen um uns zu haben, die wir lieben und die bei der Kinderbetreuung helfen können, sehen wir als unverzichtbar.“
Über Kongsvinger als Wohnort für Familien sagte sie:
„Es ist viel einfacher, sich mit dem Kindergarten, der Schule und den Freizeitangeboten an einem kleineren Ort vertraut zu machen. Diese Übersichtlichkeit gibt auch mehr Sicherheit.“
Im Oktober 2024 kaufte die Familie zusätzlich eine 145 Quadratmeter große Fjellhytte in Sjusjøen bei Lillehammer, im klassischen norwegischen Blockbohlen-Stil, mit einem kleinen Gästehaus auf dem Grundstück. Der Angebotspreis lag knapp unter sieben Millionen Kronen, laut Se og Hør sicherte sich die Familie die Hütte für 6,4 Millionen Kronen.
„Das war vollständig seine Entscheidung“
Als Johannes seinen Rücktritt vom Biathlon öffentlich machte, sprach Hedda erstmals darüber, gegenüber dem norwegischen Sender TV 2. Ihre Worte zeigen, wie sie diese Partnerschaft versteht:
„Die Entscheidung war vollständig seine, aber indirekt haben wir natürlich viel dazu beigetragen, da er mehr Zeit mit der Familie verbringen möchte.“
Und dann kam der Satz, der am meisten über sie sagt:
„Wenn du ein weiteres Jahr möchtest, schaffen wir das. Es soll nicht sein, dass du im Alter bereust, dieses Olympia nicht mitgemacht zu haben.“
Sie hatte Johannes weder gedrängt noch aufgehalten. Sie hatte ihm die Entscheidung gelassen.
Am 23. März 2025 fuhr Hedda Dæhli Bø mit Gustav und Sofia auf der Rückbank von Kongsvinger nach Oslo, um Johannes bei seinem letzten Rennen in Holmenkollen zuzuschauen. Zu TV 2 sagte sie: „Es sind unglaublich viele Gefühle. Man könnte sagen: das gesamte Spektrum.“
Nach dem Rennen, das Johannes mit einem Sprintsieg abschloss, fasste Hedda alles in einem Satz zusammen: „Für uns ist das einfach eine Sonnenscheingeschichte.“
Hedda Kløvstad Dæhli lebt heute mit ihrer Familie in Kongsvinger, auf Instagram unter @heddaehlibo mit rund 37.000 Followern. Vor allem aber lebt sie genau das, was sie sich schon 2018 vorgestellt hatte: Kinder, die in der Natur aufwachsen, genau wie sie selbst einmal.

