Pirmin Dahlmeier: Bergsteiger, Handwerksmeister und Lauras Bruder

Pirmin Dahlmeier hat mindestens zwei Gipfel über 7.000 Meter bestiegen. Einen davon erreichte er allein, nachdem seine Schwester Laura auf 7.100 Metern umkehren musste. Seinen Namen kennt kaum jemand. Genau so will er es.

Der jüngere Bruder der verstorbenen Biathlon-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier lebt bewusst abseits jeder Öffentlichkeit. Keine Interviews, keine Social-Media-Profile, keine Auftritte. Seit Lauras tödlichem Bergunfall im Juli 2025 wird sein Name allerdings regelmäßig gesucht. Die meisten Ergebnisse liefern kaum Fakten. Dieser Artikel schon.



Die Familie Dahlmeier: Sportdynastie aus den Alpen

Um Pirmin Dahlmeier einzuordnen, muss man seine Familie kennen. Die Dahlmeiers aus Garmisch-Partenkirchen sind keine gewöhnliche Sportfamilie.

FamilienmitgliedHintergrund
Vater AndreasRaumausstattermeister, Leiter der Bergwacht Garmisch-Partenkirchen, aktiver Mountainbiker
Mutter SusiDeutsche Meisterin und Europameisterin im Mountainbike in den 1990er Jahren
Tante Regina StieflDeutsche Meisterin im Mountainbike, zweimalige Gesamtweltcup-Siegerin im Downhill
Onkel (namentlich nicht bekannt)Mitglied der deutschen Kletter-Nationalmannschaft
Schwester Laura (1993 bis 2025)Zweifache Olympiasiegerin, siebenfache Weltmeisterin im Biathlon, staatlich geprüfte Bergführerin

Quellen: Neue Zürcher Zeitung, Abendzeitung München, FürSie.de

In diesem Umfeld wuchsen Laura und ihr fünf Jahre jüngerer Bruder Pirmin auf. Berge, Schnee, Ausdauer und körperliche Belastung gehörten zum Alltag. Vater Andreas brachte beiden Kindern früh das Klettern bei. In der ZDF-Dokumentation „Höhenrausch“ (2024) erzählte er: „Manchmal erfuhr ich erst nachher, wo sie unterwegs war“, wenn es um Lauras Bergtouren ging.


Raumausstattermeister im Familienbetrieb

Im beruflichen Alltag führt Pirmin Dahlmeier gemeinsam mit seinem Vater das Einrichtungshaus Dahlmeier in Garmisch-Partenkirchen. Der Laden liegt in der Nähe des Bahnhofs, auf den Markisen steht der Slogan „Das Leben schön einrichten.“

Beide, Vater und Sohn, sind ausgebildete Raumausstattermeister. Das bestätigte die Abendzeitung München bei einem Vor-Ort-Besuch am Tag von Lauras Tod im Juli 2025.

Nach dem Unglück stellte die Familie ein großes Porträt von Laura ins Schaufenster des Möbelhauses. Daneben eine weiße Schleife mit goldener Aufschrift: „Für immer Laura.“


Bergsteiger auf Siebentausender-Niveau

Pirmin Dahlmeier ist kein Begleiter, der seiner berühmten Schwester hinterherläuft. Er ist ein eigenständiger Höhenbergsteiger mit dokumentierten Leistungen an Gipfeln über 7.000 Meter.

Pik Khan Tengri: Solo um 2019

Bereits um das Jahr 2019 war Pirmin am Pik Khan Tengri (ca. 7.010 m) im Tien-Shan-Gebirge unterwegs. Ohne Laura, auf eigene Faust. Laura bestätigte das 2023 in einem Interview mit der Abendzeitung München:

„Mein Bruder Pirmin war vor vier Jahren am Pik Khan Tengri, ebenfalls im Pamir-Gebirge.“

Zu diesem Zeitpunkt hatte Laura selbst noch keinen Siebentausender bestiegen. Pirmin hatte außerdem bereits den sogenannten „Schneeleoparden-Orden“ im Blick, eine russische Auszeichnung für die Besteigung von fünf Siebentausendern in Zentralasien.

Tadschikistan 2023: Fünf Wochen im Pamir

Die gemeinsame Expedition ins Pamir-Gebirge ging auf Pirmins Initiative zurück. Er fragte Laura schon 2022, ob sie mitkommen wolle. Da steckte sie noch mitten in der Bergführerausbildung, die sie im April 2023 abschloss.

Im August 2023 brachen die Geschwister auf. Fünf Wochen, hundert Prozent autark, zwei Siebentausender als Ziel.

Den Pik Korschenewskaja (7.105 m) bestiegen sie gemeinsam in vier Tagen. Auf dem Weg halfen sie den russischen Bergführern beim Spuren und Seiletragen. Laura erinnerte sich an diesen Moment:

„Zu Pirmin sagte ich: ‚Beiß auf die Zähne! Wetten, das ist ein Test.‘ Genau so war es. Von da an waren wir keine Kunden mehr, sondern saßen mit den Guides am Tisch.“

Beim zweiten Gipfel, dem Pik Kommunismus (7.495 m), musste Laura auf 7.100 Metern abbrechen. Ihre Füße wurden trotz aller Versuche nicht mehr warm. Laura erzählte der Abendzeitung, was sie ihrem Bruder sagte:

„Das wird heut nix. Mir geht’s nicht so gut, mir ist superkalt, ich bringe die Füße einfach nicht warm. Geh‘ du zu, mach keinen Blödsinn und geh‘ den Guides hinterher!“

Pirmin setzte den Aufstieg fort, wie web.de im August 2023 berichtete. Über ihren Bruder sagte Laura:

„Ich habe ja gesehen, wie er auf unserem ersten Gipfel unterwegs war. Er ist ein besonnener Bursch‘.“

Auf Instagram schrieb Laura nach der Expedition:

„Das abgeschiedene Pamir-Gebirge ist absolut atemberaubend und ich bin dankbar, dieses besondere und intensive Abenteuer mit meinem Bruder teilen zu dürfen.“

Im Bergzeit Podcast (Folge 40, Oktober 2023) sprach Laura ausführlich über die Expedition und widmete ein eigenes Segment dem Verhältnis zu ihrem Bruder unter der Frage: „Wie ist es, in Lauras Schatten zu stehen?“


28. Juli 2025: Lauras Tod am Laila Peak

Knapp zwei Jahre nach der gemeinsamen Expedition in Tadschikistan starb Laura Dahlmeier am Laila Peak (6.069 m) im pakistanischen Karakorum. Beim Abstieg auf etwa 5.700 Metern Höhe wurde sie von einem Steinschlag getroffen. Ihre Seilpartnerin Marina Krauss blieb unverletzt, konnte Laura aber nicht erreichen. Den Erkenntnissen zufolge war die 31-Jährige vermutlich sofort tot.

Vater Andreas koordinierte von Garmisch-Partenkirchen aus eine Krisenstelle bei der Bergwacht und bat den Extremkletterer Thomas Huber, der zu dem Zeitpunkt im Karakorum unterwegs war, um Hilfe. Alle Bergungsversuche blieben erfolglos. Lauras Leichnam bleibt am Berg, so wie sie es in ihrem schriftlichen Willen festgehalten hatte.

Pirmin Dahlmeier hat sich nach dem Tod seiner Schwester nicht öffentlich geäußert. Kein Interview, kein Statement, kein Post. Die Familie meldete sich gemeinsam über Lauras Management. Das Muster ist nicht neu. Es ist das gleiche, das Pirmin sein ganzes Leben beibehalten hat.


Ein Bergsteiger, der lieber Möbel rückt als Kameras

Es gibt einen Satz von Laura über Pirmin, der mehr sagt als jede Biografie: „Er ist ein besonnener Bursch‘.“ Ruhig, verlässlich, eigenständig. Jemand, der Siebentausender besteigt und danach den Laden öffnet, ohne ein Wort darüber zu verlieren.

Wer nach Pirmin Dahlmeier sucht, findet im Netz vor allem Vermutungen und leere Texte. Die Fakten zeichnen ein anderes Bild: einen Handwerksmeister, der seinen Familienbetrieb führt. Einen Bergsteiger, der Gipfel erreicht hat, an denen seine weltberühmte Schwester umkehren musste. Und einen Bruder, der nach dem schlimmsten Verlust seines Lebens genau das tut, was er immer getan hat. Schweigen.


Quellen: Abendzeitung München, ALPIN Magazin, Bergsteiger.de, Climbing.com, Explorersweb, Neue Zürcher Zeitung, web.de, ZDF sportstudio reportage „Höhenrausch“ (2024), Markt Garmisch-Partenkirchen, Bergzeit Podcast

Eric Kuster
Eric Kusterhttps://infozentral.de/
Eric Kuster schreibt seit 2015 über Politik, Promis, Sport und Gesellschaft. Er arbeitete für die Münchner Abendzeitung und mehrere Online-Portale, wo er Bundestagsdebatten, Promi-Skandale, Fußball-Transfers und Gerichtsverfahren abdeckte. Kuster berichtete aus dem Bundestag, interviewte Bundesliga-Spieler und recherchierte zu Steuerhinterziehungsfällen deutscher Prominenter. In Köln aufgewachsen, zog er 2019 nach Berlin, um näher am politischen Geschehen zu sein. Er verfolgt Entertainment-News genauso wie Migrations- und Technologiethemen. Im Februar 2026 gründete er Info Zentral, weil ihm Schnelligkeit ohne Oberflächlichkeit wichtig ist. Kuster hat Politikwissenschaft studiert, aber das meiste lernte er in Redaktionen.

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