Susanne Steiger: Wer ist die „Bares für Rares“-Händlerin?

Wer Susanne Steiger bei „Bares für Rares“ beobachtet, sieht eine Händlerin, die selten zögert, kaum zu erschüttern ist und Angebote mit einem Blick bewertet, den man sich über Jahre erarbeitet. Die Medien nannten sie oft den „eiskalten Engel“ am Tisch. Dann kam der 12. Juli 2018. Sie bot 90.000 Euro für ein Oldtimer-Cabrio, bekam den Zuschlag nicht und weinte vor laufender Kamera. Das ist die Seite von Steiger, die die meisten nicht kennen.



Vom Pfandhaus zur eigenen Diamantkollektion

Susanne Steiger wird am 9. Oktober 1982 in Aachen geboren und wächst in Bornheim auf, einer Stadt südlich von Bonn. Ihr Vater betreibt in Aachen ein Pfandhaus. Jede Schulferien arbeitet sie dort mit, lernt Schmuck zu lesen, Gegenstände zu bewerten und den Unterschied zu erkennen zwischen dem, was ein Stück kostet und dem, was es tatsächlich wert ist.

Trotzdem beginnt sie mit einer Ausbildung zur Steuerfachangestellten, auf Wunsch ihrer Mutter, die selbst Steuerberaterin ist. Sie schließt als Steuerfachwirtin ab. Parallel kellnert sie, spart und finanziert damit 2007 ihr erstes eigenes Geschäft: Juwelier Steiger in Kerpen-Balkhausen, eröffnet mit Anfang 20, ohne Investor, ohne Erbschaft. Den Laden betreibt sie bis heute.

2012 folgt ein zweiter Standort in Bornheim, Königstraße 51. Beide Geschäfte kaufen und verkaufen Schmuck, spezialisiert auf Diamanten, Art-déco-Stücke und Biedermeier-Schmuck. Steiger entwirft selbst Stücke, die ein fest angestellter Goldschmiedemeister umsetzt. Dazu gehören weitere Goldschmiede, Edelsteinfasser und Gutachter in ihrem Team.

2015 erwirbt sie die Zertifizierung als Diamond Grader bei HRD Antwerp, dem weltweit führenden Diamant-Zertifizierungsinstitut in Belgien. Das ist keine Formsache: HRD Antwerp steht neben dem GIA für die strengsten Standards in der internationalen Diamantenbewertung. Seit 2016 gibt es außerdem eine eigene Diamantkollektion, über steiger-gold.com vertrieben, mit Fokus auf Anlagesteine ab einem Karat.

Auf ihrer Website gibt sie an, mehr als 25.000 Kunden aus Deutschland und Europa betreut zu haben. Vor ihrem TV-Einstieg beschäftigte sie drei Mitarbeiter. Heute sind es acht.


Wie Steiger zu „Bares für Rares“ kam

Im Dezember 2013 ruft das Produktionsteam der ZDF-Trödelshow an. Steiger schilderte ihre erste Reaktion 2020 in einer YouTube-Webtalkshow:

„Im ersten Moment dachte ich: Das kann nicht sein, das ist bestimmt Versteckte Kamera oder so was.“

Ab Staffel 2, 2014, steht sie regelmäßig im Händlerraum neben Moderator Horst Lichter. Seitdem filmt sie rund 80 Drehtage im Jahr für den Sender. Ihr Fachgebiet: Schmuck, Diamanten, Stücke aus Art déco und Biedermeier. Ihr Prinzip am Tisch, formuliert im Pfalz-Echo 2017 und seitdem nicht verändert:

„Ich kaufe nur das, was mir gefällt. Wenn mir was nicht gefällt, kann ich es auch nicht verkaufen, da ich nicht dahinterstehe.“


Das höchste Gebot der Showgeschichte

Am 12. Juli 2018 bietet die Schmuckexpertin Steiger in einer Abendausgabe von „Bares für Rares“ 90.000 Euro für ein Mercedes-Benz 190 SL Cabriolet. Kein Händler hat in der Geschichte der Sendung jemals mehr für ein Objekt geboten.

Verkäufer Jürgen Fröhlich besteht auf 95.000 Euro und lässt sich nicht bewegen. Das Geschäft platzt. Steigers Reaktion: Sie senkt den Kopf, ihre Kollegen trösten sie, sie weint. Das Bild der kühlen Händlerin, das sich über Jahre aufgebaut hatte, bricht in diesem Moment.


Das Reliquienkreuz: 42.000 Euro und eine Geschichte ohne Ende

Am 22. Mai 2019 kauft Susanne Steiger bei einer XXL-Ausgabe im Schweriner Schloss das bis dahin teuerste Objekt der Showgeschichte: ein goldenes Pektorale, ein Brustkreuz geistlicher Würdenträger aus der Zeit um 1700.

Was das Stück auszeichnet:

  • 40 Karat Diamanten, Materialwert allein rund 15.000 Euro
  • Ein Bergkristallfenster mit Holzsplittern, die vom Kreuz Jesu Christi stammen sollen
  • Ein intaktes päpstliches Siegel der Kongregation von Papst Clemens IX. (1600–1669), das die Echtheit der Reliquie belegt

Expertin Dr. Heide Rezepa-Zabel schätzt den Wert auf 60.000 bis 80.000 Euro. Das Startgebot liegt bei 10.000 Euro. Steiger und Wolfgang Pauritsch überbieten sich minutenlang. Am Ende zahlt Steiger 42.000 Euro: 7.000 davon in bar, den Rest per Sofortüberweisung. Moderator Horst Lichter findet keine Worte.

Gegenüber dem General-Anzeiger Bonn sagte sie am Tag nach der Ausstrahlung:

„Ich war ergriffen von der Geschichte. Das hat mich sehr berührt. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals selbst in den Besitz eines solchen Schatzes kommen könnte.“

Und weiter: „Das Papst-Siegel macht die Reliquie so außergewöhnlich und einzigartig. Die Diamanten sind in diesem Fall fast nebensächlich.“

Was danach kam: Rechtsanwalt Friedemann Ungerer erklärte den Kauf kurz nach Ausstrahlung für möglicherweise rechtswidrig, mit Verweis auf §138 BGB (sittenwidriges Rechtsgeschäft). Das ZDF wies die Vorwürfe öffentlich zurück: Die Verkäuferinnen wurden vor und während der Aufzeichnung mehrfach auf den geschätzten Wert des Stücks hingewiesen und konnten den Verkauf jederzeit abbrechen. Die rechtliche Diskussion verlief ohne formelle Konsequenzen.

Steiger hat das Kreuz bis heute nicht weiterverkauft. Sie plant eine Dauerleihgabe an ein Museum. Im Mai 2024 schrieb sie auf Instagram: „Die Geschichte des Reliquienkreuzes ist noch nicht zu Ende erzählt… Ich forsche gerade zur Provenienz und versuche die Herkunft des Kreuzes zu lüften.“ Stand Februar 2026: Die Provenienzforschung läuft noch, ein Museum steht nicht fest.

Ihr Rekord hielt fünf Jahre. Am 31. Juli 2024 überbot Julian Schmitz-Avila ihn mit 60.000 Euro für einen Jaguar E-Type.


Der Fund in Bonn: Ein Gemälde von 1625 und 785.000 Euro bei Christie’s

Im Januar 2016 besuchen Steiger und der Bonner Kunstagent Christian-Frederik Plötz einen Privatkunden in Bonn, um dessen Silber zu schätzen. In der Ecke eines Zimmers hängt ein kleines, unscheinbares Gemälde an der Wand. Beide erkennen es sofort.

Es ist „Tulpe Sommerschön“ von Balthasar van der Ast, gemalt 1625 in Utrecht. Das Werk hatte 1984 zuletzt in Amsterdam ausgehangen und galt seitdem als verschollen. Der General-Anzeiger Bonn berichtete als erste Quelle am 13. Januar 2016 über den Fund.

Ein wichtiger Punkt, den viele Berichte falsch darstellen: Das Gemälde gehörte dem Privatkunden, nicht Steiger. Sie und Plötz haben es identifiziert, den Fund publik gemacht und die anschließende Ausstellung mitermöglicht. Die Erlöse aus der Versteigerung gingen an den Eigentümer, nicht an Steiger.

Das Bild war danach zu sehen:

  • Suermondt-Ludwig-Museum Aachen (10. März bis 5. Juni 2016), als Herzstück der ersten Einzelausstellung über van der Ast überhaupt
  • Herzogliches Museum Gotha (2. Juli bis 3. Oktober 2016)

Im Dezember 2016 erzielte das Gemälde bei Christie’s in London 785.000 Euro.


Springreiterin mit FEI-Zulassung

Neben den Geschäften und dem Drehalltag beim ZDF ist Steiger aktive Springreiterin, beim internationalen Reiterverband FEI registriert (Athleten-ID: 10067500). Sie tritt auf Schwere-Klasse-Niveau an, 10 bis 15 Mal im Jahr, wenn der Kalender es zulässt. Ihre Pferde: Filippa 13 und Q7.

Im Podcast „We Horse“ sagte sie 2023: „Wenn meine Pferde dann wiehern, bin ich zu Hause.“

Über ihr Privatleben spricht sie kaum. Verheiratet ist sie nicht, Kinder hat sie keine. Auf Instagram folgen ihr über 76.000 Nutzer, sie zeigt dort überwiegend Schmuck, Diamanten und ihre Pferde.


Februar 2026: Elf Jahre, zwei Läden, ein noch nicht gelöstes Rätsel

Susanne Steiger steht seit über elf Jahren bei „Bares für Rares“ vor der Kamera, betreibt zwei Juweliergeschäfte in Nordrhein-Westfalen und hält mit dem Reliquienkreuz noch immer eines der außergewöhnlichsten Objekte in der Geschichte der Sendung in persönlichem Besitz. Die Provenienzforschung läuft. Ein Museum wartet noch. Die Geschichten um Susanne Steiger sind noch nicht alle erzählt.


Stand: Februar 2026

Eric Kuster
Eric Kusterhttps://infozentral.de/
Eric Kuster schreibt seit 2015 über Politik, Promis, Sport und Gesellschaft. Er arbeitete für die Münchner Abendzeitung und mehrere Online-Portale, wo er Bundestagsdebatten, Promi-Skandale, Fußball-Transfers und Gerichtsverfahren abdeckte. Kuster berichtete aus dem Bundestag, interviewte Bundesliga-Spieler und recherchierte zu Steuerhinterziehungsfällen deutscher Prominenter. In Köln aufgewachsen, zog er 2019 nach Berlin, um näher am politischen Geschehen zu sein. Er verfolgt Entertainment-News genauso wie Migrations- und Technologiethemen. Im Februar 2026 gründete er Info Zentral, weil ihm Schnelligkeit ohne Oberflächlichkeit wichtig ist. Kuster hat Politikwissenschaft studiert, aber das meiste lernte er in Redaktionen.

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