Susanne Wieseler: WDR-Moderatorin, Karriere und Privatleben

Seit 1999 moderiert Susanne Wieseler die „Aktuelle Stunde“ im WDR Fernsehen, täglich, vor Millionen Zuschauern in Nordrhein-Westfalen. Die Fernsehmoderatorin aus Essen ist die dienstälteste aktive Moderatorin der Sendung. Ihr Weg dorthin begann in einer Bergmannsfamilie im Ruhrgebiet.

Ihr Vater arbeitete unter Tage, ihr Bruder ebenfalls. Wieseler, geboren 1969 in Essen als Susanne Herwig, nennt sich selbst ein „echtes Grubenpony“. Heute erreicht sie mit der „Aktuellen Stunde“ in NRW Marktanteile von bis zu 20 Prozent und ist seit mehr als 26 Jahren das vertrauteste Gesicht der Sendung.



Ruhrgebiet, Radio und die ersten Schritte im Journalismus

Mit einem 1,0-Abitur wechselte sie an die Technische Universität Dortmund, studierte Journalistik und später noch Volkswirtschaftslehre. Erste Reportagen schrieb sie für die Westfalenpost Schwelm und die NRZ Oberhausen, nebenbei arbeitete sie im WDR-Radiostudio Essen.

Mitten im Studium folgte das Volontariat bei der Deutschen Welle in Köln: Moderationen, Reportagen, Dokumentationen. Danach wechselte sie als Reporterin zum WDR-Studio Köln, lieferte Beiträge für den Deutschlandfunk und berichtete mit einer Stelle bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Bonn über Bundespolitik.


ZDF, Schröder und eine Hochzeit zwischendurch

Den Schritt ins Fernsehen schaffte sie Anfang der 1990er Jahre. Das ZDF suchte Moderatoren für „Doppelpunkt“, damals eine der gefragtesten Jugendsendungen im deutschen Fernsehen. Tausende bewarben sich, knapp 100 wurden gecastet. Wieseler gehörte zu den Auserwählten.

Von 1994 bis 1995 moderierte sie die Sendung live, sprach mit jungen Menschen über den Tod, über Sex und die Rente, mit Anfang 20, im ZDF-Abendprogramm.

Danach wechselte sie in die ZDF-Hauptredaktion Innenpolitik: Wahlsendungen, „ZDF spezial“, der „Länderspiegel“ und das politische Interviewformat „Was nun,…?“. Lange Abende mit Gerhard Schröder, Oscar Lafontaine und Edmund Stoiber gehörten zum Alltag. Nebenbei moderierte sie bei 3sat.

Zurück beim WDR übernahm sie die „Lokalzeit aus Köln“. In einer ihrer ersten Moderationswochen dort heiratete sie: Am Montag noch Susanne Herwig, am Dienstag schon Frau Wieseler.


26 Jahre „Aktuelle Stunde“: Längste aktive Moderatorin im WDR

Ab 1999 moderiert Susanne Wieseler die „Aktuelle Stunde“ auf WDR Fernsehen, täglich von 18:45 bis 19:30 Uhr. Die Sendung wurde 1982 gegründet, läuft seit dem 3. Januar 1983 im Vorabendprogramm und ist das meistgesehene regionale Nachrichtenmagazin in Nordrhein-Westfalen.

Unter den aktuell aktiven Moderatoren ist sie die mit Abstand Erfahrenste:

Moderator/inDabei seit
Susanne Wieseler1999
Martin von Mauschwitz2001
Catherine Vogel2010
Michael Dietz2015
Mona Ameziane2022

Neben dem täglichen Nachrichtenmagazin moderiert sie regelmäßig:

  • „WDR extra“ bei Großereignissen und Sondersendungen
  • „5 Min. mit“ für Prominenteninterviews
  • „Weiber live“ an Weiberfastnacht
  • „NRW feiert Advent“, das Adventskonzert der Landesregierung
  • „Das NRW-Duell“ und „Das Schlagzeilenquiz“

Das Laschet-Interview 2021: Scharf, direkt und bundesweit diskutiert

Am 15. Juli 2021 stand NRW nach der Flutkatastrophe im Ausnahmezustand. Dutzende Menschen waren gestorben. CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet wurde per Liveschalte in die „Aktuelle Stunde“ zugeschaltet.

Wieseler eröffnete direkt: „Bedeutet das, Sie haben heute tatsächlich neue Erkenntnisse gewonnen, neue Einsichten, ein anderes Bewusstsein durch diese Jahrhunderthochwasser?“

Laschet wich aus. Wieseler blieb dran und konfrontierte ihn: „Sie haben Windenergie eher behindert als gefördert.“ Der Kanzlerkandidat wurde gereizt, warf ihr Parteipolitik vor. Gegen Ende fiel ein Satz, der akustisch kaum verständlich war, von vielen aber als „Entschuldigung, junge Frau“ gehört wurde. Der Hashtag #JungeFrau wurde über Nacht zum nationalen Twitter-Trend.

Wieseler reagierte auffallend ruhig. Noch am gleichen Abend schrieb sie auf Twitter, sie höre nicht, dass Laschet das wirklich gesagt habe. Als Spiegel-Journalist Markus Feldenkirchen schrieb, Laschet habe ihren Namen schlicht vergessen, möglicherweise wegen ihrer „guten, scharfen Interviewführung“, antwortete Wieseler: „Sehe ich auch so, und hoffe, dass es diesen kausalen Zusammenhang gibt.“

Das Interview wurde in Tagesspiegel, Berliner Zeitung, HORIZONT und t-online ausführlich dokumentiert und gilt als eines der meistbesprochenen deutschen TV-Interviews des Jahres 2021.


Filmemacherin und Autorin: Mehr als das Moderationspult

Neben der täglichen Arbeit vor der Kamera hat Wieseler mehrere Dokumentationen produziert:

  • Eine mehrteilige Reportagereihe über Paare, die per künstlicher Befruchtung an der Universitätsklinik Heidelberg ein Kind bekommen wollten, über zwei Jahre gedreht, sechs Halbstunden, sehr nah an den Betroffenen
  • Die Dokumentationsserie „Kinderklinik“
  • Ein langes Porträt über Herbert Grönemeyer, den sie als Held ihrer Jugend beschreibt

2006 erschien ihr Buch „Einfach Kinder kriegen: Wie Familie glücklich macht“ im Ullstein Verlag. Ihre Botschaft war klar: Im Zweifel einfach machen. Elternschaft sei weit weniger beängstigend als ihr Ruf.


Medientraining für Minister, Führungskräfte und Diplomaten

Seit rund zehn Jahren ist Wieseler zusätzlich als zertifizierte Medientrainerin tätig. Sie ist Vorstandsmitglied des BMTD (Bundesverband für Medientraining in Deutschland) und bereitet Führungskräfte sowie Journalisten auf Kameraauftritte und Interviewsituationen vor.

Zu ihren Kunden gehören unter anderem:

  • Deutscher Reiseverband
  • Deutsche Hochschule der Polizei
  • BBDO und BBraun Melsungen AG
  • Transparency International

Für die Deutsche Welle Akademie trainierte sie Minister in Tunesien und angehende Diplomaten im Auswärtigen Amt, auf Deutsch und auf Englisch.

Ihr Trainingsansatz: kurze Theorie aus der Wirkungsforschung, dann sofort vor die Kamera. Üben, anschauen, verbessern, in Einzelcoachings oder kleinen Gruppen.


Köln, Goldendoodle Polly und ein Sohn mit 1,0-Abitur

Wieseler lebt mit ihrer Familie in Köln. Ihr Mann dreht Filme, die beiden arbeiten gelegentlich zusammen. Ihre Kinder Margo und Karlo sind erwachsen. Als Karlo im Sommer 2022 sein Abitur mit 1,0 abschloss, schrieb sie auf Twitter: „Unser Sohn kann 100 Kilo drücken, den weltbesten Nusszopf backen, Menschen um den Finger wickeln und jetzt auch ein 1,0er Abi machen. Fasse es nicht.“

Goldendoodle Polly kam Anfang 2017 in die Familie, nach einem Auftritt in der WDR-Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“. Wieseler näht ihre Fernsehoutfits gern selbst, verbringt Urlaub bevorzugt in Frankreich oder beim Skifahren in Österreich. Sie beschreibt sich selbst als Arbeitstier, das berufliche Bestätigung genauso braucht wie den Rückhalt zuhause.


Stand Februar 2026 moderiert Susanne Wieseler weiterhin regelmäßig die „Aktuelle Stunde“ auf WDR Fernsehen. Ihr Twitter-Account ist inaktiv, sie ist jetzt auf Instagram (@susanne_wieseler), Threads, Bluesky und LinkedIn aktiv.

Das Grubenpony aus Essen steht seit mehr als 26 Jahren vor der gleichen Kamera. Und ist dabei nie stehengeblieben.

Eric Kuster
Eric Kusterhttps://infozentral.de/
Eric Kuster schreibt seit 2015 über Politik, Promis, Sport und Gesellschaft. Er arbeitete für die Münchner Abendzeitung und mehrere Online-Portale, wo er Bundestagsdebatten, Promi-Skandale, Fußball-Transfers und Gerichtsverfahren abdeckte. Kuster berichtete aus dem Bundestag, interviewte Bundesliga-Spieler und recherchierte zu Steuerhinterziehungsfällen deutscher Prominenter. In Köln aufgewachsen, zog er 2019 nach Berlin, um näher am politischen Geschehen zu sein. Er verfolgt Entertainment-News genauso wie Migrations- und Technologiethemen. Im Februar 2026 gründete er Info Zentral, weil ihm Schnelligkeit ohne Oberflächlichkeit wichtig ist. Kuster hat Politikwissenschaft studiert, aber das meiste lernte er in Redaktionen.

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